Indie Investigation: VVVVVV

VVVVVV
Entwickler: distractionware
Release: 11.01.2010
Preis: 4,99€ (Steam)
Genre: Jump’n’Run
Aktuelle Version: 2.0

Als Käufer des dritten Humble Indie Bundles konnte auch ich einen Blick auf das ungewöhnliche Space-Jump’n’Run VVVVVV, in dem man nicht springen, sondern lediglich die Gravitation umkehren kann, werfen. Dieser Blick resultierte im Durchspielen des Storymodus. Ob dies nun jedoch ein Beweis dafür ist, dass das Spiel wirklich so fesselnd ist, dass man nicht mehr aufhören kann?


Grafik: 3/10
Für heutige technische Verhältnisse ist die Grafik natürlich nicht mehr als ein netter Gag. Wer damals noch am C64 gezockt hat, dürfte sich hier an alte Zeiten erinnert fühlen, was auch ausdrücklich ein Ziel des Entwicklers war: Konsequenter kann ein Spiel nicht „oldschool“ sein.
Das einzige, was man VVVVVV in dieser Kategorie zu Gute halten kann, ist eben jener Retro-Charme, irgendwo zwischen dem erwähnten C64 und frühen Tamagotchis. Ansonsten braucht das heute – auch in 2D-Jump’n’Runs – eigentlich keiner mehr über eine volle Spielzeit.

Sound: 6/10
Juhu, 8-Bit-Musik! Auch im Soundbereich wird (sinnvollerweise) die absolute Oldschool-Schiene gefahren, allerdings können hier im Gegensatz zum Visuellen deutlich mehr Akzente gesetzt werden. Vor allem die Hintergrundmusik weiß mit vielen einfachen, aber netten Melodien und passenden Stilwechseln je nach aktuellem Level zu überzeugen.
Auf der anderen Seite sind die Soundeffekte erwartungsgemäß spärlich und unspektakulär. Hier ein „Peng“, dort ein „Boing“, da ein „Fiep“, viel mehr bekommt man – ganz getreu der großen C64-Vorbilder – nicht zu hören.

Steuerung: 15/15
Bei der Bedienung kann VVVVVV punkten. Die Steuerung ist genregemäß simpel: Links, Rechts, Springen – in diesem Fall Gravitationsänderung -, mehr muss man eigentlich nicht „lernen“. Der Protagonist lässt sich bei der Errettung seiner Astronautenkollegen fließend und präzise steuern. Zum weiteren Komfort gibt es sogar eine Übersichtskarte von der gesamten Spielwelt und eine Quicksave-Funktion (daneben wird automatisch an speziellen Teleporter-Punkten gespeichert).
Kurzum: Das Spiel macht hier so gut wie alles richtig.

Balancing:13/15
Einige Passagen sind wirklich extrem fordernd. Besonders um an alle der – quasi als Nebenaufgabe – einsammelbaren „Trinkets“ zu kommen, braucht man zum Teil zig Versuche und stirbt viele schnelle Tode. Auch wenn in ein paar Fällen durchaus Frust durch die (gewollte) Unfairness des Spiels aufkommt, stört das jedoch weniger als man im ersten Moment meinen möchte. So macht der hohe Schwierigkeitsgrad einen nicht unerheblichen Teil des Spielspaßes aus. Man will sich einfach selbst beweisen, dass man auch die wahnwitzigsten Gänge voll von Stachelwänden und winzigen Plattformen überleben kann – und wenn es dazu 100 Versuche in 30 Minuten braucht.
VVVVVV vermag es zu fordern und zugleich zu motivieren, indem es nur selten so unfair ist, dass man nicht das Gefühl hat, durch eigenes Verschulden draufgegangen zu sein. Und solange man glaubt, dass man es schaffen könnte, probiert man es weiter.

Atmosphäre: 22/30
Auch wenn die sechs Raumfahrer (deren Namen übrigens allesamt mit V beginnen, daher der seltsam anmutende Titel) ganz niedlich sind und man beim traurigen ihrer beiden Gesichtsausdrücke durchaus Mitleid empfindet, kann einen das Spiel natürlich emotional nicht wirklich packen. Zu einfach ist die Grafik, zu maschinell der Sound.
Trotzdem muss man sagen, dass die kleine Story um den Raumschiffunfall, durch den die sechs Freunde getrennt und durch den Spieler in Form des Captains nach und nach wieder vereint werden, durchaus gut erzählt und in Form von Minidialogen und Funksprüchen ordentlich präsentiert wird. Auch mit der Spielwelt hat man sich Mühe gegeben: Die eigentlichen Levels sind völlig nahtlos in eine größere, weitgehend frei erkundbare Außenwelt integriert und müssen somit erstmal gefunden werden.

Umfang: 11/20
Als halbwegs geübter Jump’n’Run-Spieler braucht man keine zwei Stunden, um den Story-Modus abzuschließen (sprich: man hat alle Kollegen gerettet und die meisten Trinkets bereits eingesammelt). Zur Streckung der Spielzeit bietet das Spiel danach einige Möglichkeiten an. So kann man die einzelnen Levels nochmal auf Zeit durchhetzen, das gesamte Spiel auf den Kopf gedreht durchspielen oder sehen, wie weit man kommt, ohne zu sterben (quasi ein Permadeath-Modus). Schön, dass diese Dinge integriert sind, aber: Ich persönlich habe dann doch eher wenig Motivation, mehrfach meine Bestzeiten zu drücken oder die selben Räume nochmal andersrum zu durchlaufen (so sehr anders ist das aufgrund der Gravitationsumkehrungstaste ja nun auch nicht). Der Permadeath-Modus ist zwar im Kontext des extremen Schwierigkeitsgrads (man stirbt wirklich hunderte Male während des Durchspielens) witzig, mehr als ein Gag aber vermutlich für die meisten auch nicht.
Allerdings gibt es da ja immer noch die zahlreichen userkreierten Levels, die durch den einfachen mitgelieferten Editor erstellt werden können. Einige – unter anderem eines von Minecraft-Macher Notch – sind bereits mitgeliefert und zig weitere lassen sich im Forum des Spiels bzw. vom Entwickler persönlich ausgewählte auch auf dessen Blog finden. Somit kann man sicher noch einige Stunden Spaß aus dem eigentlich ziemlich eingeschränkten Spielprinzip quetschen.
Letztlich werden die meisten Spieler aber kaum mehr als zehn Stunden mit VVVVVV verbringen können bzw. wollen.

Gesamtwertung: 70%


Fazit: Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick so wirken mag, ist VVVVVV kein schlechtes Spiel. Es tut das, was es tun möchte – nämlich das Feeling eines guten alten C64-Platformers zu erzeugen – sogar verdammt gut. Gemessen an aktuellen Standards und Genrekollegen (Jump’n’Runs mit neuartigen Spielmechaniken sind in der Indieszene ja durchaus keine Seltenheit) muss man in einigen Bereichen jedoch einfach klare Abstriche machen. In der Präsentation bleibt dem Spiel einzig und allein der Retro-Charme als Pluspunkt, die Spielzeit – gerade die des Storymodus, dem eigentlichen Kern des Spiels – ist sehr kurz und an einigen wenigen Stellen kann aufgrund des durchweg hohen, teils extremen, Schwierigkeitsgrads schonmal Frust aufkommen. Auf der anderen Seite kann aber durch cleveres Leveldesign und eine perfekt umgesetzte Steuerung gepunktet werden, was das Spiel wirklich äußerst kurzweilig macht.
Wer also auf Oldschool-Jump’n’Runs mit knackigem Schwierigkeitsgrad steht, sollte einen Blick riskieren und darf eventuell sogar noch ein paar Punkte beim Umfang draufschlagen, sofern Levelbestzeiten, Permadeath und Co. in den persönlichen Vorlieben langfristige Motivationsfaktoren darstellen.

5 Antworten zu Indie Investigation: VVVVVV

  1. Rattatui sagt:

    Hab mir nach deiner Ankündigung gestern mal n Video dazu angeguckt und muss sagen, dass es mich nicht grad gereit hat. Die Grafik ist in meinen Augen nicht nur retro, sondern auch für diese Verhältnisse ziemlich langweilig. Dazu ist es mir, denke ich, wirklich zu frustig.:/

  2. Nachtfischer sagt:

    Ja, es stimmt schon, man muss wirklich einiges aushalten (sowohl Augenkrebs- als auch Frustresistenz sind von Vorteil😛 ) können, um das Gute an diesem Spiel überhaupt mitzukriegen.
    Im Kern macht es dann aber doch tatsächlich Spaß, gerade das Leveldesign ist wie gesagt ziemlich clever und nicht das eines alltäglichen Jump’n’Runs (eben auch durch diese Gravitationskomponente).

    Aber ganz ehrlich: Ohne das Humble Bundle hätte ich das Spiel nicht und würde es mir auch jetzt nicht als Einzeltitel kaufen.
    Als Teil des Pakets war es aber eine nette Abwechslung für Zwischendurch und hat dafür in meinen (gequälten) Augen auch die 70% verdient. ^^

  3. youkichirou sagt:

    Also ich habe das Spiel ja auch gespielt. Ich bezweifle, dass ich auch nur annäherungsweise in 2 Stunden durch das Spiel kommen würde, schon alleine wenn ich die Passage bedenke, wo man den Professor über die Plattformen führen muss. Einfach nur dämlich, finde ich.

    Ich persönlich hatte dem Spiel noch Punkte abgezogen, da es für die 5 Euro doch nur sehr wenig bietet. Und mal ehrlich: C64 Grafik ist heutzutage keine Kunst mehr und das Coding wird denen auch keinen Abbruch getan haben. 5 Euro für einb C64 artiges Spiel, was es heutzutage auch in Massen für 0 Euro auf Emulator gibt? Herzlichen Dank.

    Aber Humble Bundle sei Dank hab ich es als „Extra“ und nicht als Hauptspiel. Aber gut, jedem das Seine.

  4. Nachtfischer sagt:

    Also meine Spielzeit am Ende (alle Crewmitglieder gerettet) betrug 1:49 und ich habe 18 von 20 Trinkets gesammelt. Also so gut wie komplett durch. Mit den Userlevels habe ich allerdings mittlerweile mindestens nochmal zwei Stunden verbracht.

    Für die Grafik habe ich ja auch entsprechende Abzüge vorgenommen, aber zum Coding: Ist es denn wichtig, wie aufwändig gecodet eine Spiel ist? Klar, das ist kein Komplexitätsmonster, aber das soll es ja gar nicht sein. Für das, was es ist, ist es eben durchaus gut umgesetzt.

    Und hey, die Stelle mit dem Professor ist doch witzig. Ich finde, in den Levels sind schon einige ziemlich gute Ideen verarbeitet! ;D

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