Digitale Brett- und Kartenspiele: Empfehlungen, die Dritte

Nachdem in Teil 1 der Reihe technisch einwandfreie digitale Umsetzungen bekannter und äußerst durchdachter Brett- und Kartenspiele und in Teil 2 ebenfalls äußerst gelungene Adaptionen – mit kleineren Abstrichen auf technischer und/oder spielmechanischer Seite – empfohlen wurden, kommen im dritten Teil alle weiteren empfehlenswerten – kostenlosen und mit Bots ausgestatteten – Spiele-Umsetzungen zum Zug, die in den diversen Archiven (allen voran in diesem) zum Thema zu finden waren: Die Vergessenen.

Warum wurden diese Umsetzungen bisher nicht erwähnt? Teils liegt das schlicht daran, dass die zugrunde liegenden Brett- bzw. Kartenspiele unbekannt sind und einfach nicht sofort genannt werden, wenn es um digitale Versionen geht. Oder aber es gibt kleine Probleme in der technischen Erreichbarkeit: Einige Spiele können beispielsweise ausschließlich im Browser gestartet werden oder erfordern eine Anmeldung auf einer einschlägigen Spieleseite. Im Folgenden wird in jedem Fall auf diese Besonderheiten eingegangen sowie kurz das Spielprinzip erläutert und eine Einschätzung abgegeben.

Die Vergessenen

Aquarius

Beschreibung: Aquarius ist ein Domino-ähnliches Kartenlegespiel mit einigen Twists. So gilt es, durch abwechselndes ablegen von passenden Karten eine Reihe von sieben Verknüpfungen des eigenen Zielsymbols zu erreichen. Allerdings bleibt es fast immer nicht beim sturen Kartenlegen, da es einige spezielle Aktionskarten gibt, die z.B. die Zielsymbole der Spieler austauschen, Karten vom Brett entfernen oder bewegen oder gar die Handkarten zweier Spieler austauschen.

Digital: Javaquarius ist eine grundsolide Umsetzung mit allen nötigen Optionen und sogar einigen Komfortfunktionen wie unabhängigen Zoom-Einstellungen für Hand- und Tischkarten.

Empfehlung: Simples Kartenlegespiel für zwischendurch ohne großen Tiefgang. Trotzdem äußerst spaßig und empfehlenswert, auch aufgrund der hervorragenden Java-Umsetzung. Die – sehr unkomplizierten – Regeln gibt es übrigens als PDF hier oder in einer leichtgewichtigeren Version hier.

Battle For Hill 218

Beschreibung: Hier wird Krieg geführt! Und zwar mit Karten, auf denen verschiedenste militärische Einheiten abgebildet sind, die jeweils Besonderheiten in Sachen Reichweite, Angriffsrichtung und Stärke aufweisen. Durch geschickte Verteilung der eigenen Streitkräfte versuchen beide Spieler nun, die Basis des jeweils anderen am Hill 218 einzunehmen.

Digital: Es existiert eine nicht sonderlich schöne, aber sehr funktionale und mit ziemlich guter KI ausgestattete Java-Umsetzung des Spiels.

Empfehlung: Für Freunde taktischer Militär-Spiele eine willkommene und anhand der in der Java-Version mitgelieferten Regeln relativ schnell zu erlernende Alternative. Der Durchschnittsspieler könnte das Spiel aber vielleicht etwas zu trocken finden.

Chrononauts

Beschreibung: Chrononauts ist ein weiteres Kartenspiel unter Beteiligung der Aquarius-Macher und bietet eine äußerst innovative Spielmechanik: Die Spieler verändern durch Zeitreisen den Verlauf der Geschichte. Dabei gilt es, durch geschickten Einsatz der zahlreichen verschiedenen Aktionskarten entstehende Zeitparadoxe zu reparieren und diverse Artefakte zu sammeln. Dies sind auch die Wege, auf denen das Spiel gewonnen werden kann: Entweder stellt der angehende Sieger einen bestimmten Geschichtsverlauf her, der auf die zu Beginn gezogene – aber nicht zwangsläufig bis zum Ende behaltene – Charakterkarte passt, oder er sammelt drei bestimmte – auf der ebenfalls anfänglich gezogenen Missionskarte festgehaltene – Artefakte.

Digital: Auch hier existiert eine grundsätzlich gutklassige Java-Umsetzung. Nachteil: Die Karten sind sehr klein und teils mit so viel Text ausgestattet, dass sie sich nicht ohne Weiteres lesen lassen. Abhilfe verschafft aber die Rechtsklick-Funktion, die die Karte in größerem Format in einem gesonderten Fenster zeigt. Im Übrigen fehlt – wohl aus technischen Gründen – leider die Memo-Funktion des Originalspiels, die es erlaubt Aktionen der Gegner sofort zu unterbrechen und damit ein weiterer Dynamik-Faktor.

Empfehlung: Unbedingt anschauen! Die Zeitreise-Thematik wird ohnehin selten verarbeitet und hier auch noch sehr gut mit der Spielmechanik verwoben. Auch die KI in der Java-Version agiert vernünftig und zielstrebig. Problematisch sind allerdings die durch Glück beim Kartenziehen und die strikt vorgegebenen Ziele meist recht eingeschränkten bzw. offensichtlichen Entscheidungen. Die Regeln gibt es wie schon bei Aquarius als PDF oder direkt im Browser.

Cronberg

Beschreibung: Cronberg ist auch bekannt unter dem Namen des Re-Skins Bonobo Beach. Bis auf das Aussehen bzw. das Setting sind die Spiele aber identisch: Die Spieler ziehen rautenförmige Karten und legen sie auf das Spielfeld oder sie platzieren Steine ihrer Farbe in Öffnungen zwischen den Rauten. Grob gesagt hat gewonnen, wer am Ende an möglichst vielen guten Ecken anliegt. Durch einige spezielle Tiles und Regeln kommt jedoch durchaus mehr Tiefe ins Spiel als zunächst zu vermuten ist.

Digital: Der offizielle Hersteller Kronberger Spiele bietet eine recht professionelle und individuell gestaltbare digitale Umsetzung inklusive beider Skins an.

Empfehlung: Definitiv anspielen! Natürlich bekommt man hier kein Komplexitätsmonster, aber das ein oder andere Spiel zwischendurch ist drin und kann taktisch durchaus interessant werden.

En Garde

Beschreibung: En Garde ist ein Kartenspiel von Reiner Knizia, in dem die beiden Spieler gegeneinander fechten. Möglich ist dies anhand von Karten mit bestimmten Werten. Diese Werte können einerseits dazu verwendet werden, den eigenen Fechter zu bewegen oder den Gegner anzugreifen. Ein erfolgreicher Angriff mit ausreichend vielen Karten gleichen Wertes, die nicht durch Ausweichen oder Parieren abgewehrt wurden, beendet die Runde. Auch Kombinations-Moves sind möglich und verleihen dem Spiel einen gewissen taktischen Tiefgang.

Digital: Auf YourTurnMyTurn kann das Spiel ohne Anmeldung direkt im Browser gegen den Computer gespielt werden. Die Umsetzung ist nicht sonderlich spektakulär, bietet aber dennoch alle spielrelevanten Inhalte und eine intuitive Steuerung.

Empfehlung: Wie von Knizia gewohnt, ist auch En Garde äußerst durchdacht und bis auf das kleinste Detail durchgetestet. Deshalb macht es auch immer wieder Spaß, das ein oder andere schnelle Duell auszufechten.

Island Of D 2

Beschreibung: Bei Island Of D handelt es sich eigentlich um ein kosenloses Print-And-Play-Spiel. Thematisch bekommt der Spieler es hier mit einem reinrassigen Fantasy-Abenteuer zu tun: Die Spielwelt entsteht durch das zufällige Ziehen und Legen von Ortskarten. In dieser Welt gilt es, Monster zu bekämpfen, Items und Gold zu sammeln und schließlich durch das Erzielen bestimmter Umstände den Banditenführer zu erledigen. Dafür bleiben jedoch nur neun Tage und bei jedem Rasten – und damit dem Auffüllen der Handkarten – vergeht einer davon. Das Spiel ist schwer, das Spiel ist kurz, das Spiel ist dennoch sehr gut durchdacht und macht immer wieder Spaß. Stets entsteht ein etwas anderes Abenteuer.

Digital: Auf der offiziellen Seite des Designers Jack Darwid finden sich sowohl die Karten in PDF-Form zum selbst Ausdrucken als auch die komfortable Flash-Version (ganz nach unten scrollen). Letztere lässt sich problemlos und recht intuitiv spielen.

Empfehlung: Zunächst sollte das Manual von der offiziellen Seite geladen und durchgegangen werden. Ansonsten kann man durch die vielen Kontexthinweise in der Flash-Version zwar auch spielen, versteht aber nicht wirklich, warum und wie Dinge genau passieren. Danach offenbahrt sich allerdings ein durchdachtes und spaßiges System, das einigen Wiederspielwert bietet. Einzig die Kartenvielfalt könnte deutlich größer sein. In Darwids neuem – und erstem kommerziellen Spiel – Adventure Of D ist sie das dann auch.

Lost Cities

Beschreibung: Lost Cities ist ein weiteres Knizia-Kartenspiel. Diesmal geht es – wie der Name schon sagt – darum, Expeditionen zu verlorenen Städten durchzuführen. Dazu legen Spieler an eine von fünf möglichen Expeditionen Zahlenkarten in aufsteigender Reihenfolge an. Am Ende werden die Kartenwerte jeweils zusammengezählt. Doch Vorsicht: Kommen nicht genügend Punkte zusammen, gibt es Abzüge. Das ist doppelt ärgerlich, wenn man anfangs mit Spezialkarten auf diese Expedition gesetzt hat und dann keine passenden Karten mehr bekommt. Denn dann werden die angesetzten Multiplikatoren auch auf die Minuspunkte angewandt. Auch hier gilt also wieder: Grundsätzlich einfaches Spielprinzip, aber trotzdem taktische Tiefe.

Digital: Genau wie En Garde ist auch Lost Cities auf YourTurnMyTurn direkt im Browser spielbar.

Empfehlung: Spannendes und kurzweiliges Spielprinzip! Natürlich hängt relativ Vieles vom Glück mit den Karten ab. Dennoch können durch möglichst fundierte Vermutungen über noch kommende Karten taktisch mehr oder weniger sinnvolle Entscheidungen getroffen werden. Wer mehr vom Spielprinzip will: Knizia entwickelte auf Basis von Lost Cities eine Mischung aus Brett- und Kartenspiel für bis zu vier Spieler: Keltis. Davon gibt es sogar eine kommerzielle Umsetzung für PC.

My Kind Of Town

Beschreibung: In My Kind Of Town duellieren sich zwei Spieler als angehende Gangsterbosse um eine Stadt. In drei Kategorien – Einfluss, Geld, Macht -, die durch drei Symbole auf den Karten repräsentiert werden, wird sich gemessen, um die Verteilung der vier Gebäude – und damit jeweils unterschiedlich vieler Siegpunkte – zu bestimmen. Der Knackpunkt: Nur der Spieler, der ein Kategorie-Wahlsymbol auf seiner obersten, also zuletzt gespielten, Karte hat, darf entscheiden, worum es bei diesem Stadtbereich letztlich geht. Somit ist Vorausplanen angesagt, um zunächst viele Symbole einer Kategorie anzusammeln und als letztes noch das passende Wahlsymbol einzusetzen. Übrigens darf auch auf Seiten des Gegners angelegt werden, um diesem möglicherweise die Punktejagd zu vermiesen.

Digital: Es existiert eine einwandfreie Java-Version mit ordentlicher KI, die das Spielprinzip 1:1 umsetzt.

Empfehlung: My Kind Of Town ist ein weiteres schnelles Kartenspiel für zwischendurch, macht aber immer wieder jede Menge Spaß. Es ist stets interessant, die Karten geschickt zu verteilen, im richtigen Moment die Wahlkarten zu legen bzw. dem Gegner die seinen zu verderben oder auch einfach mal zu passen, um dem Gegner die ungeliebte Karte zu überlassen.

Paris Paris

Beschreibung: Entlang der Buslinien von Paris platzieren die Spieler abwechselnde Kassenhäuschen. Dazu werden pro Runde zufällig Haltestellenkarten gezogen, die entscheiden, wo überhaupt gebaut werden darf. An der jeweils übrig bleibenden Haltestelle bzw. auf dessen Linie beginnt anschließend eine kleine Tour, d.h. die am nächsten liegenden Kassenhäuschen bringen den zugehörigen Spielern Punkte. Wird ein weiteres mal die gleiche Linie gestartet, gibt es eine große Tour, die an allen Kreuzungen vorbeikommt und jeweils für alle Kassenhäuschen an und um die Kreuzung Punkte bringt. Ein interessantes Spielprinzip, bei dem es gilt, Züge der Gegner vorauszusagen und die Verteilung der eigenen Häuschen danach zu planen.

Digital: Auf OnlineBrettSpiele.de kann das Spiel ohne Anmeldung im Browser gegen gute KI-Gegner gespielt werden. Die Umsetzung ist unspektakulär, aber einwandfrei funktional.

Empfehlung: Anspielen und entscheiden, ob das Prinzip gefällt! Grundsätzlich hatte Michael Schacht hier eine sehr gute und interessante Spielidee. Auf Dauer könnte es aber etwas eintönig werden.

Pocket Civ

Beschreibung: Das große und epische Civilization – in Form seiner Erweiterung in Teil 2 der Empfehlungsreihe erwähnt – wird mit dem reinen Solitaire-Spiel Pocket Civ auf seinen Kern reduziert. Der Spieler versucht sein Volk durch acht Epochen und dabei möglichst noch zu Ruhm und Ehre zu führen. Die Widersacher sind dabei keinesfalls andere Spieler oder KI-Gegner, sondern die Ereigniskarten, die z.B. Überfälle fremder Völker, Epidemien, Erdbeben und andere unschöne Dinge auslösen. Um sich vor den Katastrophen zu schützen, sollte die eigene Zivilisation möglichst rasch wachsen und sich in Sachen Infrastruktur sowie Technologie weiterentwickeln. Der relativ hohe Schwierigkeitsgrad macht aber auch gerade den Reiz des Spiels aus. Schon das erfolgreiche Überleben sämtlicher Epochen ist durchaus ein Erfolg.

Digital: Das Print-And-Play-Spiel wurde 1:1 für PC umgesetzt. Das Programm ist übersichtlich, intuitiv bedienbar und bietet allerlei Konfigurationsmöglichkeiten auf optischer und inhaltlicher Seite. Top!

Empfehlung: Freunde von Civilization – bzw. der Advanced-Variante -, die aber keine Zeit für die stundenlangen Partien der Originale haben, dürften mit Pocket Civ genau richtig liegen. Das Grundprinzip wird beibehalten und durch den schnelleren Ablauf deutlich aufgepeppt. Da gibt es absolut nichts dran auszusetzen. Die Regeln und weitere Infos gibt es auf der offiziellen Seite.

Reef Encounter

Beschreibung: In Reef Encounter vergrößern die Spieler auf mehreren Brettern ihre Korallenriffs, erheben mit Hilfe von speziellen Spielsteinen Anspruch auf diese und verfüttern sie möglichst im richtigen Augenblick an ihren Regenbogenfisch. Der Clou: Manche Korallen können von anderen verdrängt werden, allerdings ändern sich die Stärkeverhältnisse – wiederum durch Spezialsteine – möglicherweise schon in der nächsten Runde wieder völlig. Und diese Verhältnisse sind es auch, die am Ende bestimmen, wieviel welche konsumierte Koralle wert ist. Somit entsteht ein einzigartiges und hochkomplexes Geflecht verschiedener Systeme.

Digital: Durch die hohe Komplexität und die vielen verschiedenen Möglichkeiten ist Reef Encounter schwierig digital umzusetzen. Dennoch hat Gilad Yarnitzky es geschafft. Die KI handelt vernünftig und die Spieler haben alle Handlungsfreiheit der Brettspielvorlage. Lediglich optisch ist die Umsetzung nicht ganz optimal geraten, war aber zu verschmerzen sein dürfte. Auch die Steuerung ist nicht gerade intuitiv, wird aber nach kurzer Studie des User-Guides vollkommen klar. Zum Download von Spiel und Guide ist eine – natürlich kostenlose – Anmeldung bei BoardGameGeek erforderlich. Die ist für Spielefans aber ohnehin beinahe obligatorisch.

Empfehlung: Das ist absolut kein simples Spiel! Also erstmal den How-To-Play-Podcast hören, den Guide für das Programm lesen und dann herantasten. Anschließend bekommt man für die Mühe ein großartiges und einzigartiges Spielerlebnis.

Samurai

Beschreibung: In diesem Spiel mit Asia-Touch von Reiner Knizia versuchen die Spieler, Städte auf einer Landkarte unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu werden verschiedenartige Tiles an die Städte angelegt, die entweder Einfluss bei den Bauern (Reis-Tiles), Kriegern (Helm-Tiles) oder Geistlichen (Buddha-Tiles) bringen. Ist eine Stadt komplett von Tiles eingeschlossen, werden die entsprechenden Punkte in den drei Bereichen – falls diese in der jeweiligen Stadt vorhanden sind – den Spielern gutgeschrieben. Hat am Ende einer der Spieler die meisten Punkte in einer Kategorie, gewinnt er diese. Wer die meisten Kategorien gewinnt – und manchmal reicht dabei schon eine, wenn in den anderen beiden ein Unentschieden auftritt -, gewinnt die Partie. Durch einige Spezialtiles, wie die Samurai, die für alle Kategorien zählen, oder Fast-Tiles, die sich zusätzlich zum normalen Zug spielen lassen, kommt zusätzliche Dynamik ins Spiel.

Digital: Es existiert eine hervorragende und professionelle Umsetzung von Klear Games. Leider gibt es nur noch die zeitbegrenzte Demo zum Download und es werden keine Lizenzen mehr vergeben und damit auch keine Keys mehr versendet. Doch vielleicht verschafft der zweite Eintrag auf dieser Seite eines BoardGameGeek-Forenthreads Abhilfe.

Empfehlung: Wenn man herankommt, ist Samurai eines der am besten digital umgesetzten Brettspiele überhaupt: Es gibt verschiedenen Modi mit mehreren Schwierigkeitsgraden, ein hervorragend bebildertes Tutorial und auch an der Handhabung lässt sich rein gar nichts aussetzen. Das Spiel selbst ist hervorragend durchdacht und stellt die Spieler ständig vor schwierig Entscheidungen, wann und an welcher Stelle welche Tiles am sinnvollsten zu platzieren sind. Große Klasse!

Thurn & Taxis

Beschreibung: Dieses Spiel erinnert ein wenig an das weiter oben erwähnte Paris Paris. Allerdings werden diesmal in Bayern und Umland Poststellen platziert, die von Postkutschen abgefahren werden. Die Routen sind jedoch nicht fest vorgegeben, sondern werden durch das Legen von legalen – d.h. die Straßen müssen auf dem Brett zwischen den Städten existent sein – Kartenreihen bestimmt. Die Poststellen können dann wahlweise jeweils in einer Stadt jeder Provinz, durch die die Route verläuft, gebaut werden oder in allen Städten einer Provinz. In der Regel ist es sinnvoll, möglichst lange Routen zu bilden, jedoch gibt es einige Sonderregeln. Zudem gibt es Bonuspunkte für das Errichten von Poststellen in allen Städten einer Provinz oder einer Kombination von Provinzen. Ein wenig spielt zwar das Glück eine Rolle, jedoch kann jeder Spieler aus sechs ausliegenden Karten auswählen, sodass in der Regel spätestens nach zwei Zügen wieder eine passende Stadt für die eigene Route dabei sein sollte. Und dann gilt es taktisch kluge Entscheidungen zu treffen.

Digital: Nach einer Anmeldung bei BoardGameGeek bekommt man Zugriff auf eine Umsetzung in der File-Sektion (übrigens auch auf die Regeln). Diese funktioniert prinzipiell gut und liefert immer wieder Hinweise, was gerade im Spiel passiert. Leider ist sie aber nicht besonders gut optimiert und gerät immer mal ins Stocken. Spiele gegen weniger als drei KI-Kollegen – Partien mit mehr Spielern sind aber ohnehin spannender –  hängen sich zudem immer mal komplett auf.

Empfehlung: Das Spielprinzip ist interessant und entwickelt immer wieder spannende Situationen. Wer über die Problemchen und die mäßge KI der digitalen Umsetzung hinwegsehen kann, dürfte mit einigen spaßigen Stunden belohnt werden.

Tigris & Euphrates

Beschreibung: Von nicht wenigen Spielern wird Tigris & Euphrates – manchmal auch: Euphrat & Tigris – als Reiner Knizias Meisterwerk erachtet. Auch hier handelt es sich um ein Tile-Legespiel. Die Spieler haben dabei die Möglichkeit, Könige, Händler oder religiöse Führer auf der Karte zu platzieren. Sinnvollerweise sollten die im weiteren Verlauf entstehenden Königreiche auch in den jeweils passenden Bereichen wachsen. Interessant wird es, wenn entweder ein zweiter gleichartiger Führer eines anderen Spielers in einem Königreich platziert wird (Revolution) oder zwei bestehende Königreiche mit gleichartigen Führern durch Ausbreitung aufeinander treffen (Krieg). Diese internen und externen Konflikte werden anhand spezieller Regeln ausgefochten und können großen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung nehmen. Gewinnen kann übrigens nur derjenige, der alle drei Punktekategorien gleichermaßen bedient: Der Endstand wird anhand der Kategorie ermittelt, in der der Spieler jeweils am schlechtesten dasteht.

Digital: Auf Game Table Online kann das Spiel nach Anmeldung kostenlos gegen Bots gespielt werden. Das Spielen gegen menschliche Gegner kostet. Leider ist zum Spielen in jedem Fall eine Online-Verbindung notwendig. Ansonsten funktioniert die Umsetzung aber einwandfrei.

Empfehlung: Tatsächlich handelt es sich bei Tigris & Euphrates wohl um eines der interessantesten Knizia-Spiele. Thematik und Spielmechanik sind eng verbunden und perfekt aufeinander abgestimmt. Wem die umständliche Zugänglichkeit über Game Table Online, wo es übrigens noch einige weitere Spiele mit KI-Gegnern gibt, nichts ausmacht, der muss unbedingt reinschauen. Vorher sollte man aber wissen, worum es genau geht und wie das Spiel funktioniert: How-To-Play-Podcast (inklusive Video-Ausgabe).

Tyrus

Beschreibung: Tyrus ist ein relativ simples Bluff-Spiel. In jeder Runde wird eine Wahl in einer von drei Kategorien abgehalten. Die Spieler müssen mehr Stimmen am passenden Wahlort mit den passenden Steinen sammeln als der jeweilige Gegner. Der Twist: Ebenso können Steine in den Wahlbereichen des Gegners platziert werden, die dessen Stimmen zunichte machen. Oder auch nicht. Die Kunst ist es, den Gegner glauben zu machen, dass er viel investieren müsste, was er aber eigentlich gar nicht gemusst hätte. Somit ergeben sich dann im späteren Verlauf bei weiteren Wahlen möglicherweise Vorteile. Wer nach neun Wahlen mehr gewonnen hat oder drei Wahlen in Folge gewinnt, ist der Sieger.

Digital: Es existiert eine französische Umsetzung des Spiels. Die Sprache ist aber größtenteils irrelevant, da das Spiel selbst ohnehin nur mit Symbolen und Zahlen arbeitet. Ansonsten gibt es auch nichts weiter auszusetzen.

Empfehlung: Für die ein oder andere Partie zwischendurch ist Tyrus perfekt geeignet. Das Spiel ist schnell, einfach (Regeln), aber dennoch mit genügend Entscheidungsmöglichkeiten ausgestattet, um nicht sofort langweilig zu werden. Die KI der digitalen Version ist übrigens durchaus brauchbar und blufft fleißig mit.

Verräter

Beschreibung: Ein hochinteressantes Spiel rund um städtische Konflikte zwischen verschiedenen Fraktionen und vor allem: Verrat. Die Rollenauswahl zu Beginn jeder Runde erinnert an Puerto Rico. Je nach gewählter Rolle erhält jeder Spieler besondere Vorteile im Kampf, durch Einflusskarten oder durch die Wahlmöglichkeit des Konfliktortes in der nächsten Runde. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, den Verräter zu wählen. In diesem Fall werden die durch Karten erzeugten Einflusspunkte dieses Spielers am Ende der gegnerischen Fraktion zugerechnet. Plötzlich kann es statt 2 gegen 2 dann 3 gegen 1 heißen. Der Nachteil: Größere Fraktionen bekommen weniger Siegpunkte für gewonnene Konflikte. Alles in allem ein sehr verzwicktes und spannendes System.

Digital: Mit Turncoat gibt es eine auf dem Spiel basierende PC-Version, die allerdings schon sehr in die Jahre gekommen ist und auf neueren – insbesondere 64 bit – Systemen Probleme machen könnte. Ansonsten wird aber jede benötigte Funktion sowie eine hervorragende KI geboten. Auch die Spielregeln sowie Erläuterungen zum Interface werden mitgeliefert.

Empfehlung: Lässt es sich zum Laufen bringen, ist Turncoat eine hervorragende Umsetzung eines ziemlich einzigartigen Spielprinzips. Verräter-Mechaniken gibt es zwar immer mal wieder in diversen Spielen, aber selten ist ein ganzes System so zentral darauf aufgebaut.

Wizards

Beschreibung: Wizards ist ein im Kern ein Fantasy-Rollenspiel und gewissermaßen eine Light-Version von Magic Realm (siehe Empfehlung in Teil 2). Hier braucht es keine drei Stunden, um einigermaßen hinter das Spielprinzip und die verschiedenen Systeme zu steigen. Das Regelbuch (Angemeldete bekommen es von BoardGameGeek) ist ebenfalls „nur“ 20 statt 120 Seiten lang. Das Grundprinzip ist ganz klassisch: Einer oder mehrere Helden durchstreifen eine zufällig aus Tiles zusammengelegte Welt, schließen sich einer von drei Fraktionen an und erfüllen Quests, um an Stärke zu gewinnen und schließlich das drohende Übel von der Welt zu vertreiben. Dämonen und Co. stoßen jedoch alle zwei Wochen weiter vor, tauchen überall in der Spielwelt auf und zerstören nach und nach ganze Kontinente. Da gilt es, die im Verlauf des Spiels gewonnenen magischen Fähigkeiten sinnvoll einzusetzen, um möglichst schnell möglichst viele Ziele zu erreichen.

Digital: Wie auch Magic Realm hat Wizards eine umfangreiche Java-Umsetzung mit zig Einstellungsmöglichkeiten für zusätzliche Regeln und vieles mehr. Optische Wunder sollte man aber nicht erwarten.

Empfehlung: Für RPG-Freunde, die sich nicht in Komplexitätsmonster hineinarbeiten möchten oder einfach mal eine entspannte Runde zwischendurch spielen möchten, ist Wizards definitiv einen Blick wert! Auf Dauer sind die Aufträge der Marke „Reise von A nach B“ jedoch ein wenig öde und die Würfelabhängigkeit doch erheblich. Mit mehreren Charakteren – die man natürlich auch einfach allein nacheinander spielen kann – wird es besser und auch leichter.

                                                                                                

Nächstes mal: Der Rest!

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