Brett- und Kartenspiele auf dem iPad

Wertungsskala: 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend)
Wertungssyntax: Gesamtwertung (Spielwertung/Appwertung)

Favoriten

Ascension

Bewertung: 9,5 (9/10)

Kommentar: Unfassbar gute und flüssig von der Hand gehende App-Umsetzung des hochklassigen Deck-Building-Spiels. Pflicht für Fans von Dominion und aufgrund der Fantasy-Thematik insbesondere auch Thunderstone. Letzteres ist allerdings auch der Grund für „nur“ 9 Punkte in der Spielwertung. Dennoch ist Ascension zur Zeit die mit Abstand beste Deck-Building-App. Ein Tutorial führt Neulinge behutsam an die Mechaniken heran. Im Singleplayer gibt es zwei KI-Stufen (erstere ist sehr leicht, zweitere durchaus fordernd). Beide bisher erschienenen Erweiterungen inklusive etwaiger Promokarten gibt es ebenfalls  im App-internen Shop nachzukaufen. Insgesamt also ein großartiges Rundumpaket.

Links: Video-Review, Store

Caylus

Bewertung: 10 (10/10)

Kommentar: Eine der besten Spiele-Apps zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele. Besser geht es kaum! Die Spielmechanik ist ohnehin unantastbar. Dazu noch hübsche Optik, intuitive Steuerung sowie viele Einstellungsmöglichkeiten und fertig ist die Mega-App, die das (dafür aber kostenlose) PC-Pendant momentan auch in Sachen KI-Stärke locker übertrifft. Ein Tutorial für das anfangs vielleicht nicht ganz einfach zu verstehende Spielprinzip mit vielen kleinen (wundervollen) Ecken und Kanten gibt es ebenfalls.

Links: Trailer, Review, Store

Le Havre

Bewertung: 9 (9/9)

Kommentar: Hochkomplexes Spiel von Uwe Rosenberg (Agricola), das anfangs aufgrund der Informationsflut auf dem Bildschirm etwas abschrecken kann. Glücklicherweise schafft ein hervorragendes Runde-für-Runde-Tutorial auch gleich Abhilfe. Das Spiel selbst ist originalgetreu und optisch sinnvoll umgesetzt. Jegliche Informationen sind auf einem einzigen Bildschirm angeordnet, ganz ohne Scrollen oder sonstige Späße. Lediglich Stapel von Karten müssen manuell aufgefächert werden, um einzelne davon auszuwählen. Besser hätte aber auch das kaum gelöst werden können. Viele KI-Stufen werden sowohl in der kurzen als auch Standard-Variante (inklusive Spezialgebäude) unterstützt. Aber Achtung: Ein Spiel nur für Freunde der strategischen Schwergewichte unter den Spielen!

Links: Review, Video, Store

Puerto Rico

Bewertung: 9,5 (10/9)

Kommentar: Im Gegensatz zur (ebenfalls hervorragenden, aber grafiklosen) PC-Umsetzung Tropic Euro ist dies eine originalgetreue Umsetzung des Brettspiels – und zwar eine unheimlich gute. Die KI verhält sich äußerst schlau und macht keine schwerwiegenden Fehler, ein klasse Tutorial führt in die komplexe Spielmechanik ein. Kleiner Wermutstropfen: Die App ist schon etwas älter, was man dem Interface und den heutzutage nicht mehr wirklich hochauflösenden Grafiken stellenweise durchaus anmerkt. Dennoch ganz klar eine absolute Top-Umsetzung eines der besten Spiele überhaupt.

Links: Video, Store

Hervorragend

  • Elder Sign: 8,5 (8/9)
    Eindrucksvolle Umsetzung des Cthulhu-Würfelspiels. Grafik und Bedienung sind nahezu perfekt, die Möglichkeiten zum Solo- sowie kooperativen Spiel mannigfaltig. Letztlich ist und bleibt es aber natürlich mehr oder minder ein Würfel- und damit Glücksspiel, auf das man – je nach verdienten Spezial-Karten – mehr oder weniger Einfluss nehmen kann.
  • Forbidden Island: 8 (8/8)
    Ein weiteres kooperatives Spiel des Designers von Pandemic. Und es spielt sich dann schließlich auch wie eine Lite-Version des Seuchenbekämpfungs-Simulators. Dennoch funktioniert die Spielmechanik sehr gut und ist hervorragend mit der Thematik der Schatzsuche auf der nach und nach im Meer versinkenden Insel verwoben. Etwas pixelige Grafiken verhindern eine höhere Appwertung.
  • Kingsburg: 8 (9/7)
    Eines der besten Würfelspiele. Zwar hängt auch hier zunächst vieles von den geworfenene Augenzahlen ab, durch strategisch geschickte Kombination und Nutzung der Würfel kann jedoch einiges wieder ausgeglichen werden. Es bleibt ein spaßiges Ressourcen-Sammel- und Aufbauspiel mit Mittelalter-Thematik. Die App ist leider nur für iPhone optimiert (und damit niedrig aufgelöst) und nutzt nicht den größeren Bildschirm des iPads zur Darstellung aller Informationen (die somit auf mehrere Bildschirme verteilt werden) aus.
  • Nightfall:  8,5 (8/9)
    Ein weiteres Deck-Building-Spiel als App-Umetzung von Playdek (Ascension), diesmal mit Vampiren und Werwölfen. Technisch ist die Umsetzung wieder einwandfrei, wenn auch – hauptsächlich aufgrund der seltsamen Entscheidung, die Karten halbkreisförmig statt schlicht gerade auszulegen – nicht so gut wie bei oben genanntem Ascension. Spielerisch kann Nightfall neben direkten Kämpfen gegen die Gegenspieler mit der Eigenheit des „Chainings“ punkten: Karten können je nach Farbe hintereinander „gelinkt“ werden, um so mächtige Kombos zu erzeugen. Nach einer Weile schaut man dann aber auch nur noch auf die farbigen Kreise und die eigentlich durch das klasse Artwork ziemlich dichte und düstere Atmosphäre tritt zu Gunsten reiner mechanischer Überlegungen in den Hintergrund.
  • Ra: 8,5 (9/8)
    Eigentlich mag ich Auktionsspiele nicht besonders, aber Dr. Reiner Knizia hat auch hier seine ganz eigene hervorragende Variante erschaffen. Spieler ziehen abwechselnd Tiles oder entscheiden, auf die bisher gezogenen zu bieten. Allerdings wird hier nicht frei – und oftmals recht wahllos – drauflos geboten, sondern jeder bekommt zu Beginn Goldkarten mit festen Werten, die ebenfalls mit ver- und ersteigert werden und dem Spiel somit eine einzigartige Dynamik verleihen. Die Punktevergabe ist Knizia-typisch recht kompliziert und erfordert sowohl Spezialisierung als auch ein Minimum an Gleichgewicht aller verschiedenen Komponenten. Hochinteressantes Spiel in einer durch und durch soliden Umsetzung von Sage Boardgames (s.o. Le Havre).
  • Summoner Wars: 8 (6/10)
    Wenn es auch ein interessantes Taktik-Spiel mit einigen Entscheidungsmöglichkeiten und Interaktionen durch die Event-Karten ist, bleibt am Ende doch stets das Würfelglück beim Angriff, das die Entscheidungen der Spieler unnötig filtert und gewissermaßen „verwässert“. Dennoch macht das Spiel durch viele verschiedene Fraktionen und deren Spezialfähigkeiten immer mal wieder Spaß und hat dank Playdek eine der besten App-Umsetzungen eines Brettspiels überhaupt erhalten. Die ersten Fraktionen dürfen übrigens kostenlos ausprobiert werden.
  • Through The Desert: 7,5 (8/7)
    Ein weiteres Knizia-Spiel, bei dem es darum geht, durch die geschickte Platzierung verschiedenfarbiger Kamel-Karawanen an Wasserlöcher und Oasen in der Wüste „anzudocken“. Außerdem dürfen – ganz im Go-Stil – auch Bereiche der Karte für Extrapunkte abgetrennt werden. Ein strategisch hochinteressantes, aber im wahrsten Sinne etwas trockenes Spiel, zu dem es eine doch schon leicht in die Jahre gekommene – aber dennoch solide und umfassende – App ohne großen Schnickschnack gibt.
  • Tigris & Euphrates: 8,5 (8/9)
    Und noch ein Knizia-Legespiel. Tigris ist allerdings um einiges komplexer als die Kollegen Through The Desert oder auch Samurai. Zwischen verschiedenen Zivilisationsführern – die allesamt ihre eigene Punktewertung pro Spieler heben –  gibt es Konflikte, wenn Städte sich ausbreiten und miteinander verschmelzen oder auch interne Aufstände, wenn ein gleichartiger Führer des anderen Spielers in einer bestehenden Stadt platziert wird. Letztlich geht es mal wieder darum, von allen Arten von Punkten gleichermaßen viele zu sammeln, denn die Endpunktzahl ist für jeden Spieler jeweils die niedrigste Einzelwertung. Starkes Spielprinzip, das aber etwas vom Glück mit den gezogenen – insbesondere den roten – Tiles abhängt. Die App-Umsetzung ist technisch nahezu perfekt.
  • Wabash Cannonball: 8,5 (9/8)
    Ähnlich wie Caylus, Le Havre oder – fast – Puerto Rico ist dieses Spiel rund um den Aufbau von und das Ersteigern von Anteilen an Zugfirmen ein Spiel perfekter Information. Das heißt, es gibt keine Glücksfaktoren und alle aktuellen Zustände sind allen Spielern offengelegt. Das ermöglicht natürlich vielfältige strategische Planungen. Ziel des Spiels ist es schlicht, das meiste Geld durch das ersteigern bzw. bebieten von Anteilen an den Firmen sowie das – jeweils für sich selbst – möglichst gewinnbringende Auslegen von Gleisen zu erwirtschaften. Dadurch, dass zumeist verschiedene Spieler Anteile an ein und derselben Firma haben und durch eine Gameplay-Kniffe (jeder Teilhaber einer Firma, die mit ihrer Linie Chicago erreicht, bekommt z.B. eine Bonusauszahlung) ergibt sich eine hochspannende Dynamik. Großartiges Spiel und eine eigentlich auch hochklassige App, die mit wenigen Knopfdrücken alle relevanten Informationen darstellt, allerdings leider nur auf iPhone optimiert und grafisch ohnehin sehr unspektakulär ist.

Solide

  • Battle Of Gundabad: 7 (7/7)
    Ausnahmsweise ein digitales Original. Und zwar ein Dominion-Klon für Deck-Building-Fans. Nicht sehr umfangreiche und unspektakuläre App mit einigen Lücken in Sachen Einstellungsmöglichkeiten. Solide!
  • Food Fight: 7,5 (6/9)
    Ultraeinfaches und spaßiges Kartenspiel, bei dem sich Frühstück, Mittag- und Abendessen bekriegen. Die „Soldaten“ treten allerdings in zufälliger Reihenfolge an. Bis auf den gelegentlichen Einsatz zusätzlicher Booster-Karten verkommt das Spiel nach dem anfänglichen Draften zum Großteil zur reinen Glückssache. Die App – mal wieder von Playdek – ist aber klasse.
  • Ghost Stories: 7,5 (8/7)
    Extrem schweres kooperatives Spiel um das Vertreiben von Geistern aus einem Dorf im Asia-Setting. Grundsolide Spielmechanik mit leider teils übertrieben schweren Kombinationen von auftauchenden Geistern. Die App ist ordentlich, aber grafisch unspektakulär und teilweise etwas umständlich zu bedienen.
  • It’s Alive!: 7 (7/7)
    Das „Monster-Building-Game“ ist im Grunde ein reines Auktionsspiel. Nur versuchen die Spieler eben nach und nach alle Teile für ein vollständiges Monster zu sammeln. Solide Mechanik und stilvolle Optik machen die App zu einem Geheimtipp.
  • Lost Cities: 8 (6/10)
    Auch Knizias berühmtes Kartenspiel für zwei Spieler rund um Expeditionen zu verlorenen Städten (im Grunde aber nur das Auslegen aufsteigender Kartenreihen) ist im App-Store verfügbar. Das Spiel ist spaßig, aber größtenteils vom „Luck Of The Draw“ abhängig. Die App hingegen ist fantastisch und kommt inklusive Audio-Tutorial, verschiedener KI-Gegner, reihenweise Achievements, asynchronem Multiplayer etc. Das bleiben keine Wünsche offen.
  • McGuire: 7,5 (8/7)
    Hierbei handelt es sich um einen Klon des Klassikers Acquire um das Erweitern und Fusionieren von Firmen. Die Spieler versuchen durch geschicktes Aufkaufen von Anteilen, finanzielle Boni bei den sich ergebenden Fusionen einzuheimsen und so am Ende das meiste Geld auf dem Konto zu haben. Sehr elegantes Design mit einem nur sehr geringfügigen Zufallsfaktor und schnellem Gameplay. Die iPhone-App ist in Ordnung und liefert auf zwei Screens alle nötigen Informationen. Leider ist das Spiel kaum konfigurierbar und nur gegen drei Computergegner spielbar. Laut BoardGameGeek ist Acquire aber ohnehin „best with 4 players“.
  • Medici: 6,5 (6/7)
    Das Erstlingswerk von Sage Boardgames wirkt teilweise noch ein wenig klobig. Es fehlt der rechte Feinschliff der neueren Umsetzungen (Tigris & Euphrates, Le Havre). Das Spiel selbst ist abermals von Reiner Knizia und wieder ein Auktionsspiel. Diesmal ein ganz klassisches: Jeder Spieler gibt ein Gebot auf ein bis drei Güter ab, das höchste gewinnt. Punkte bzw. Geld zum Weiterbieten gibt es für die wertvollsten Güter sowie über die Runden verteilt auch für mehrere gleichartige Güter. Es kann auf Dauer etwas ermüdend sein, alles im Auge zu behalten und zugleich bei den völlig freien Geboten „richtig“ zu liegen. Dafür dauert eine Partie gegen die (gute) KI aber auch nur höchstens 20 Minuten.
  • Thunderstone: 7,5 (10/5)
    Ich liebe Thunderstone! Also, mit richtigen Karten. Die App setzt das Spiel zwar 1:1 um, ist aber im Grunde nur ein „Gateway“ (daher der seltsame App-Name) für die hakelige und nicht gerade hübsche Facebook-Anwendung zum Spiel. Dazu passend kosten gerade mal eine Handvoll neue Karten auch jeweils schon 1,99$. Dafür ist wenigstens das Grundset kostenlos spielbar. Das geht auch gegen eine recht ordentliche KI, allerdings natürlich Facebook-getreu mit Onlinezwang (einen Account braucht man aber zum Glück nicht mehr). Schade, was hätte eine Thunderstone-App von z.B. Playdek Großartiges werden können…

Sonstige

  • Card Buster: Poker-Variationen von Reiner Knizia. Lite-Version kostenlos.
  • Feast & Famine: Taktisches Güter-Akquirieren im biblischen Kontext. Feast-Teil kostenlos.
  • Frantic Frankfurt: Kostenloses Solitär-Kartenspiel und zugleich ziemlicher „Brain Burner“.
  • Labyrinth: Recht cleveres Tile-Legespiel von Knizia. Grundavariante kostenlos.
  • Zombie Dice: Enorm simples, aber durchaus lustiges Würfelspiel des Munchkin-Erdenkers Steve Jackson. Für 2 Spieler kostenlos. Für mehr wird ein Euro fällig.

Ungetestet

  • Klassiker – ungetestet aufgrund bereits vorhandener guter PC-Umsetzungen – wie Carcassonne, Catan, Ticket To Ride, Scotland Yard.
  • Knizia-Spiele: u.a. Battleline, High Society, Ingenious, Money, Kingdoms, Samurai.
  • Weitere wie Café International, Neuroshima Hex, San Juan, Small World, Tikal, Titan, Yggdrasil.
  • und viele mehr! (Merke: Es gibt wirklich viele Brett- und Kartenspiel-Apps für iOS.)

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