Brett- und Kartenspiele auf dem iPad #2

Wertungsskala: 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend)
Wertungssyntax: Gesamtwertung (Spielwertung/Appwertung)

Seit Teil 1 sind einige Neuerscheinungen auf der primären digitalen Brett- und Kartenspiel-Plattform hinzugekommen. Daneben habe ich einige bisher ausgelassene „App-Klassiker“ nachgeholt.

  • Alien Frontiers: 8 (9/7)
    Die vor wenigen Wochen erschienene App zum Sci-Fi-Worker-Placement-Spiel ist eine grundsolide Umsetzung des Brett-Vorbildes. Es wird virtuell gewürfelt und anschließend dürfen die Schiffe (Würfel) auf dem quasi 1:1 vom (sehr schönen) Brett übernommenen Spielareal platziert werden, um je nach Station andere Aktionen auszuführen. Auch sämtliche Alien-Technologie-Karten sind implementiert. Hauptsächlicher Schwachpunkt der App ist die KI, die trotz recht langwieriger Rechenzeiten auf höheren Stufen nicht so recht mithalten kann – selbst mit durchschnittlichen menschlichen Spielern. Abhilfe schafft vorerst die im ersten Patch angepasste „Pirate AI“, die ihre Aktionen besonders gegen den menschlichen Spieler richtet. Ein Spiel gegen drei solcher „Piraten“ kann also durchaus (über-)fordernd werden. Insgesamt eine runde Sache!
  • Army Of Frogs: 7,5 (6/9)
    Beim kürzlichen Sale der App-Umsetzer von Big Daddy gab es diesen kleinen Filler gratis. Zugegeben, Geld muss man für diesen kleinen Brain-Teaser um das geschickte Platzieren und Überspringen von Fröschen nicht unbedingt ausgeben. Dennoch ist die App wirklich hervorragend, führt optimal ins (simple) Regelwerk ein und lässt sich hin und wieder gut und gerne für eine Partie von ca. fünf Minuten spielen.
  • Bohnanza: 8 (8/8)
    Bohnanza ist ein Kartenspiel-Klassiker von Uwe Rosenberg (Agricola, Le Havre). Das Spielprinzip ist äußerst simpel: Bohnen tauschen, Bohnen anpflanzen, Bohnnen ernten. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf dem Handel, denn ohne geschickten Austausch mit anderen Spielern kommt man nicht weit bzw. verliert schnell den Anschluss. Solche Verhandlungsspiele sind natürlich am stärksten Auge und Auge mit anderen menschlichen Spielern. Die Computergegner tauschen zwar fleißig mit, aber natürlich nicht unbedingt rational bzw. knallhart verhandelnd. Trotzdem auch dank der gnadenlos überdrehten Thematik eine spaßige Sache!
  • Can’t Stop: 6,5 (6/7)
    Die Karten-Experten von Playdek betraten vor kurzem Neuland mit Can’t Stop, vielleicht dem Push-Your-Luck-Klassiker überhaupt. Die App ist – nach dem dringend notwendigen Patch – sehr solide umgesetzt und bildet das Spiel originalgetreu und in netter 3D-Grafik ab. Prinzipiell geht es einfach nur ums Würfeln – und zwar möglichst oft die gleichen Zweier-Kombinationen bei vier Würfeln. Je länger der Lauf, desto besser, aber wird keine valide Alternative gewürfelt, ist der Fortschritt des gesamten Laufs futsch. Erstaunlicherweise entwickelt dieses im Grunde ziemlich stupide Prinzip einiges Suchtpotenzial. Netter Filler!
  • Dominant Species: 8,5 (10/7)
    Ein großes, episches und äußerst komplexes Spiel um das Überleben diverser Spezies im Angesicht der nahenden Eiszeit. Mechanisch stellt sich das Ganze dann als Kombination aus Worker-Placement und Area-Control dar. Es wird vorausgeplant, welche Aktionen die Spieler in der Aktionsphase durchführen wollen. Anschließend geht es dann ans Erschließen neuer Hex-Felder, das Vertreiben anderer Spezies und vor allem das „Dominieren“ inklusive enorm mächtiger Dominanzkarten. Das Wichtigste jedoch: Anpassung an die Umgebung! Denn nur die am besten angepassten Spezies können ganze Landstriche dominieren und somit wichtige Siegpunkte einfahren. Die App-Umsetzung ist angesichts der enormen Komplexität sehr ordentlich. Alle Möglichkeiten des Brettspiels – und sogar einige Varianten für kürzere bzw. schnellere Spiele – sind implementiert. Einzig das veraltet wirkende Interface und die zwei bisher vorhandenen KI-Schwierigkeitsgrade sind nicht völlig zufriedenstellend. Selbst die schwierigere der beiden KIs lässt sich sehr schnell ausmanövrieren. GMT will aber in Zukunft die App weiterentwickeln und einen dritten KI-Grad anbieten. Bis dahin wird aber auch mit vorliegender App schon deutlich, welch großartiges Spiel Dominant Species ist.
  • Kairn: 7 (7/7)
    Das Brettspiel wurde auch unter dem sehr treffenden Namen „Caveman Curling“ veröffentlicht. Denn genau darum geht es hier: Als Höhlenmensch Steine übers Eis „schnipsen“! Diese Geschicklichkeitsübung nach Curling-Regeln macht erstaunlich viel Spaß und frustriert dank diverser Werkzeuge, die in jeder Runde verwendet werden dürfen und die Lage der Steine mehr oder weniger beeinflussen können, auch nicht wirklich. Für zwischendurch spitze!
  • Neuroshima Hex: (7/10)
    Ein äußerst innovatives Spielprinzip. Abwechselnd werden von den Spielern verschiedenen Einheiten der jeweiligen Armee auf einem knapp bemessenen Feld platziert. Ist dieses Feld voll (oder es wird eine spezielle Angriffs-Einheit gespielt), kommt es zum Kampf. Dieser läuft dann streng reglementiert nach Initiativ-Werten und – von dieser Reihenfolge abhängigen – Spezialfähigkeiten der Einheiten ab. Es gibt dabei sehr viele Icons zu lernen und der Einstieg fällt auch in der App, die glücklicherweise den mathematischen Teil der Initiativ-Auswertung selbst übernimmt, trotz gutem Tutorial nicht ganz leicht. Nach einer Weile offenbart sich jedoch einiges an Spieltiefe, vor allem dank der vielen verschiedenen Armeen, die alle ihre Besonderheiten und Kniffe haben. Leider scheint das Spiel ziemlich stark von der zufälligen Zugreihenfolge der Einheiten abzuhängen. Die App-Umsetzung von Big Daddy (Caylus) ist aber absolut makellos und bietet von diversen KI-Stufen bis zu asynchronem Online-Multiplayer alles, was das Herz begehrt.
  • Qin: 9 (8/10)
    Der neueste Streich von Reiner Knizia erschien vor wenigen Tagen auf der diesjährigen Spielemesse in Essen – und zwar parallel in physischer und virtueller Form. Bei letzterer handelt es sich um die erste App von Elately, die sich anschicken, sich zu den Top-App-Entwicklern zu gesellen und in Kürze u.a. das großartige ökonomische Kartenspiel Sankt Petersburg für iOS umsetzen werden. Mit Qin liefern sie jedenfalls eine beeindruckende erste Visitenkarte ab. Das grundsätzliche Spielprinzip ist Knizia-typisch recht einfach: Aus zwei zusammenhängenden Quadraten bestehende Tiles werden auf einem in Quadrate aufgeteilten Brett platziert. Ziel: Möglichst viele kleine und große Provinzen (zusammenhängende Quadrate gleicher Farbe) bilden und dadurch die eigenen Pagoden loswerden, die jeweils auf den Provinzen platziert werden. Natürlich gibt es auch hier wieder einige Kniffe und Tricks, die das Ganze interessant machen. Die App ist wie angedeutet eine ziemlich perfekte Umsetzung des Spiels auf dem iPad mit allen wünschenswerten Features und großartigem Interface. Lohnt sich!
  • Small World: 9 (9/9)
    Small World war vor einer Weile ein Mega-Hit im Brettspiel-Genre. Dabei handelt es sich bei dem Area-Control-Spiel eigentlich nur um eine Überarbeitung von Vinci. Allerdings wurden sämtliche Regeln auf Gradlinigkeit getrimmt und massenweise(!) spaßige Rassen mit speziellen Fähigkeiten erdacht, sodass der Kultstatus durchaus gerechtfertigt ist. Insbesondere die immer wieder neuen Kombinationen aus Rasse und Fähigkeiten machen jede Partie zu einem neuen und einzigartigen Erlebnis. Die mittlerweile auch schon in die Jahre gekommene App ist an sich – noch immer – großartig: Insbesondere das Interface glänzt durch absolut intuitive Bedienung und angenehmen Minimalismus. Leider kann das Spiel auf dem iPad ausschließlich mit zwei Spielern gespielt werden, obwohl das Original auch mehr Spieler unterstützt. Dennoch ist Small World auch im Eins gegen Eins ein sehr spaßige Angelegenheit. Eine Partie dauert kaum länger als 15 Minuten und lässt sich zwischendurch immer mal wieder durchspielen. Eine der Top-Apps im Brettspielbereich!
  • Tikal: 8 (8/8)
    In Tikal konkurrieren die Spieler um das Entdecken und Erforschen eines Dschungels inklusive all seiner Schätze und Tempel. Letztlich geht es darum, in den Punkterunden – nachdem ein Vulkan vom zufällig sortieren Tile-Stapel gezogen wurde – die begehrten Felder – vor allem Tempel – zu beherrschen und möglichst zusammenpassende Sets von Schätze gesammelt zu haben. Interessantes Spielprinzip mit jeder Menge verschiedenster Aktionen und Möglichkeiten. Die App von Sage Boardgames (u.a. Le Havre) ist eine der frühen der Firmengeschichte und führt ordentlich ins Spiel ein. Es werden alle notwendigen Features geboten, auch wenn die KI selbst in den höheren Stufen nicht ganz ausgereift scheint. Dennoch lässt sich viel Spaß haben und jede Partie unterscheidet sich durch die stets andersartige Platzierung der Tiles signifikant von der vorherigen.
  • Yggdrasil: 8,5 (8/9)
    Hier handelt es sich um ein kooperatives Spiel im Universum der nordischen Mythologie. Dementsprechend gilt es mit allerlei Gottheiten, die jeweils eigene Spezialfähigkeiten aufweisen, diverse Monster abzuwehren, die sich Schritt für Schritt und Runde für Runde der Zerstörung der Welt nähern. Mechanisch ist Yggdrasil im Grunde ein klassisches Koop-Spiel, bei dem es vor allem um das möglichst geschickte Aufteilen der diversen Aufgaben – je nach individuellen Fähigkeiten – geht, um das immerwährend drohende Unheil letztlich doch abzuwenden. Einige interessante Kniffe – wie die notwendige Manipulation der verschiedenen Wikinger-Taschen, aus denen Helfer für den Kampf, aber auch fiese Feuerriesen gezogen werden können – machen das Spiel dennoch einzigartig. Die App ist großartig und lässt kaum Wünsche offen. Allerdings ist ein Studium des (im Hauptmenü anwählbaren) Regelwerks Pflicht, um überhaupt zu verstehen, was vor sich geht!
  • Zombie! Run For Your Lives!: 5 (4/6)
    Ultra-Simples Kartenspiel – dessen App es an Halloween sogar kurzzeitig gratis gab – der Marke Fluxx im allgegenwärtigen Zombie-Universum: Weiße Karten sind gut (hat man fünf vor sich liegen, gewinnt man); schwarze Karten sind schlecht (hat man fünf vor sich, wird man zum Zombie); weiß und schwarz gleicher Art heben sich auf. Die Karten sind witzig gestaltet und in der App sogar animiert, die Steuerung wie das Spielprinzip kaum zum Missverstehen geeignet. Mehr als eine nette Belustigung zwischendurch ist hier aber kaum drin, dafür ist das Spielprinzip schlicht und ergreifend zu stark simplifiziert.

Eine Antwort zu Brett- und Kartenspiele auf dem iPad #2

  1. […] “Interessantes Spielprinzip mit jeder Menge verschiedenster Aktionen und Möglichkeiten.&#8221… […]

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