Brett- und Kartenspiele auf dem iPad #3

Wertungsskala: 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend)
Wertungssyntax: Gesamtwertung (Spielwertung/Appwertung)

Neuerscheinungen und -erwerbungen in kritischer Betrachtung.

  • Battle Of The Bulge: 9 (8/10)
    Tatsächlich ist BotB gar keine Brettspiel-Umsetzung, sondern ein von Grund auf für das iPad entwickeltes sogenanntes „Wargame“, d.h. ein rundenbasiertes Strategiespiel mit Kriegsthematik (vorliegend natürlich die namensgebende Ardennenoffensive zum Ende des Zweiten Weltkriegs). Dennoch passt das Spiel zu diesem Blogeintrag, wie die Faust aufs Auge: Der Designer dahinter ist (Brett-)Wargame-Veteran John Butterfield und dem Spiel liegt (natürlich digital) ein ausführliches Regelwerk bei – inklusive zahlreicher Tabellen für Versorgung, Nachschub sowie Angriffs- und Verteidigungsberechnungen.
    Battle Of The Bulge
    Der große Vorteil der Digitalisierung liegt darin, dass man das alles eigentlich nicht wirklich braucht. Es lässt sich dank dem sehr guten Tutorial unmittelbar ins Spiel einsteigen. Die komplexen Berechnungen und Auswertungen werden hinter übersichtlichen UI-Elementen versteckt und der Spieler kann sich ganz auf die strategischen Manöver konzentrieren. Steuerung, Präsentation (inklusive optionalem „Geschichtsunterricht“) und Funktionalität der App sind dabei in allen Bereichen herausragend. Auch die Spielmechanik selbst funktioniert sehr gut, ist – gerade im Vergleich zu diversen Genre-Größen – jedoch eher simpel gehalten. Aber keine angst: Das hier ist kein Risiko, sondern ein Spiel mit taktischer und strategischer Tiefe. Der Single-Player-Modus liefert jedoch nicht allzu viel Wiederspielwert (zwei Szenarien, in denen es nur sehr wenig Variation durch Zufall gibt, sowie jeweils zwei KI-Persönlichkeiten). Nach spätestens 10 (intensiven und äußerst spaßigen!) Stunden dürfte man wirklich alles gesehen haben. Allerdings wird darüber hinaus ein Multiplayer-Modus mit allen wünschenswerten Features (natürlich auch mit asynchronen Spielen) geboten, in dem sich der Hobby-General weiter austoben darf.
  • Bang!: 7,5 (7/8)
    Das einfache – allerdings äußerst erfolgreiche – Western-Kartenspiel bietet kaum mehr strategische Tiefe als Fluxx, macht aber zwischendurch dank der nett umgesetzten Shootout-Thematik durchaus Spaß. Im Grunde kommt es jedoch nur darauf an, wer die besseren bzw. passenderen Karten zieht. Die App-Umsetzung ist solide und bietet zahlreiche Optionen (3-5 Spieler, haufenweise Rollen mit Spezialfähigkeiten etc.). Lediglich die enorm träge Hilfefunktion nervt: Durch längeres(!) Drücken auf eine Karte wird ein Hilfetext eingeblendet, der jedoch leider nur sehr langsam(!) durchscrollt. So dauert es schon eine Weile, bis man weiß, was man wissen wollte. Nach ein paar Spielen ist das jedoch kaum mehr ein Problem, da man die einfachen Regeln ohnehin kennt. Die iPhone-Version gibt es momentan übrigens kostenlos. Da sollte man nicht „Nein“ sagen.
  • Carcassonne: 9 (8/10)
    Carcassonne
    Der Brettspiel-Klassiker war eine der ersten App-Umsetzungen überhaupt und gehört nach wie vor zu den Vorzeigetiteln. An der Digitalisierung der Coding Monkeys gibt es absolut nichts auszusetzen. Sämtliche denkbaren Einstellungsmöglichkeiten sowie zahlreiche Expansions sind vorhanden, diverse KI-Stufen und ein robuster Online-Modus ebenfalls. Steuerung und Interface könnten intuitiver nicht sein. Auf technischer Seite bleiben also keinerlei Wünsche offen. Wer das Spiel mag – und den manchmal doch recht glücksabhängigen Ausgang ertragen kann -, der wird die App lieben!
  • Fluxx: 6,5 (4/9)
    Playdek stehen für Qualität: Ascension, Summoner Wars, Nightfall und weitere sind allesamt hervorragende Apps. Allerdings liegen diesen auch (mindestens) gute Spiele zu Grunde. Fluxx ist – gelinde gesagt – umstritten. Prinzipiell erfordert dieses Spiel – so gut wie – keinerlei Können und ist ein pures und überaus chaotisches Glücksspiel. Dementsprechend macht es auch kaum Sinn, Fluxx nicht am Tisch, sondern digital zu spielen. Wo soll der Spaß herkommen, wenn nicht durch die Interaktion mit den Mitspielern? Das nutzt es wenig, dass die App mal wieder hervorragend gelungen ist und das Spiel im Grunde perfekt umsetzt. Fluxx ist schlicht kein Spiel für das iPad oder iPhone. Trotzdem eine fehlerfreie Umsetzung, die möglicherweise eine oder zwei langweilige Stunden etwas erträglicher machen kann.
  • For The Win: 9 (9/9)
    Großartiges und völlig zufallsfreies Abstrakt-Brettspiel, das hier bereits ausführlicher besprochen wurde. Für diesen Preis ein absoluter Pflichtkauf, auch ohne Retina-Grafiken!
  • Gold!: 7 (7/7)
    Michael Schachts einfaches Kartenspiel rund um das Austauschen von Gold und Eseln wurde von Skotos in deren typischem Karten-Framework sehr solide – wenn auch eher unspektakulär – umgesetzt. Zahlreiche Singleplayer-Optionen ermöglichen es, jederzeit innerhalb weniger Minuten eine spaßige Partie durchspielen zu können. Viel taktischen oder gar strategischen Tiefgang darf man hier natürlich nicht erwarten, dennoch eine gelungene App zu einem ordentlichen Spiel.
  • Kingdom Builder: 8,5 (8/9)
    Kingdom Builder
    Nach anfänglichen Problemchen (Ruckler auf dem Retina-Display, hier und da ein paar Abstürze) ist die offizielle App zum Spiel des Jahres mittlerweile richtig gut geworden. Die KI agierte darüber hinaus ohnehin von Anfang an geradezu meisterlich geschickt (und das schon auf der mittleren von drei Stufen). Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Jede Runde werden drei Häuschen auf dem Geländetyp, den man gezogen hat, platziert. Am Ende gibt es Punkte nach bestimmten Kriterien, die jedoch von Spiel zu Spiel variieren und in Kombination mit dem modularen Spielplan so jeden Durchgang teils mit einem völlig neuen Spielgefühl ausstatten. Außerdem sorgen die zufällig verteilten Spezialfähigkeiten, die man durch anbauen an die entsprechenden Felder erlangen kann, für zusätzliche Abwechslung. Ein einfaches Grundprinzip, das genauer betrachtet jedoch erstaunliche Möglichkeiten entfaltet. Eine klare Kaufempfehlung für den geneigten Euro-Gamer.
  • Kingdoms: 6 (5/7)
    Eine weitere App von Skotos (solide wie immer) und auch eine weitere Umsetzung eines Spiels von Entwickler-Guru Reiner Knizia. Kingdoms ist jedoch eines seiner schwächeren Designs. Zwar ist die Grundidee des taktisch klugen Platzierens von Plättchen in Reihen und Spalten eines Gitters, sodass am Ende die eigenen Schlösser günstig und die der Gegner ungünstig stehen, prinzipiell nicht schlecht, allerdings ist der Spielausgang derart abhängig vom Glück des richtigen Nachziehens, dass es schonmal frustrierend werden kann. Im nächsten Sale vielleicht trotzdem einen Blick wert.
  • Levee En Masse: 7,5 (7/8)
    Bei der Vorlage handelt es sich um ein reines Solitaire-Brettspiel. KI braucht es hier also nicht, stattdessen Regel-Forcierung. Diese funktioniert auch sehr gut und Dank des guten Tutorial- bzw. Berater-Systems kann auch fast nichts mehr schiefgehen beim Verteidigen von Paris vor diversen aus allen Himmelsrichtungen anrückenden Mächten zur Zeit der Französischen Revolution. Spielmechanisch geschieht dies allerdings alles unter sehr starker Abhängigkeit vom Würfelglück. Dank der sehr guten Umsetzung der Thematik durch zahlreiche Ereignis-Karten kann man darüber aber einige Durchgänge lang hinweg sehen. Die App selbst ist bis auf ein paar Kleinigkeiten (z.B. fehlende Speicherung der Optionen) ebenfalls ordentlich implementiert und schön anzuschauen. Vor allem thematisch Interessierte dürfen hier durchaus zuschlagen.
  • Mr. M’s Code Of Murder: 6 (6/6)
    Ein Scotland-Yard-artiges Spiel, bei dem ein Mr. M. vor allen anderen Spielern flüchtet – und dabei auch noch versucht, seine Widersacher Stück für Stück umzubringen. Da es nur bestimmte Mord-Karten gibt, die nur in spezifischen Konstellationen funktionieren, schränkt sich der Verdächtigenkreis immer mehr ein. Kein schlechtes Spiel, aber auch kein herausragendes. Gleiches gilt für die App. Genre-Fans dürfen aber gerne zugreifen.
  • Pandemic: 8 (10/6)
    Ja, es gibt eine Umsetzung des kooperativen Brettspiel-Hits für iOS. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine offizielle App, sondern um eine Fan-Umsetzung, die weder Original-Artwork verwendet, noch zwingend 1:1 das Spielprinzip des Vorbilds kopieren möchte und sich durch einige Zusatzoptionen durchaus abhebt. Dennoch läuft das Ganze in den Grundeinstellungen haargenau wie das klassische Pandemie ab und die Welt darf vor vier sich rapide ausbreitenden Seuchen gerettet werden – oder eben auch nicht. Die Steuerung  funktioniert erstaunlich gut, wenn man sich an das zunächst etwas überladen wirkende Interface gewöhnt hat. Dabei hilft es natürlich enorm, die Brettspiel-Vorlage bereits zu kennen. Auf Hochglanz polierte Produktionswerte sind hier natürlich genauso wenig vorhanden wie irgendwelche grafischen Details. Dafür gibt es die App aber auch jederzeit kostenlos zum Download. Falsch machen kann man da natürlich gar nichts.
  • Penny Arcade Deck Building Game: 8 (7/9)
    Ein weiteres Deck-Building-Spiel, das von Playdek für iOS umgesetzt wurde. Diesmal handelt es sich um das Spiel zur wohl bekanntesten Nerd-Parodie des Internets. Dementsprechend sind die Karten auch größtenteils sehr albern bis wahnsinnig. Im Grunde wird hier aber auch „nur“ die absolute Standard-Deck-Building-Mechanik – vergleichbar z.B. mit Ascension ohne Expansions – umgesetzt. Eine Eigenart sind jedoch die Bosse, die für besonders hohe Mengen der beiden Währungen besiegt werden dürfen und den Spielern in der Regel relativ mächtige Fähigkeiten verleihen. Dies ist jedoch vielleicht auch das größte Problem des Spiels: Wenn ein Spieler erstmal ans Boss-Besiegen kommt, dann entwickelt sich eine Art Schneeball-Effekt und dieser Spieler kann sehr schnell immer stärkere Karten bekommen. Trotzdem macht das Spiel immer mal wieder für einige Partien zwischendurch großen Spaß. Die App-Umsetzung ist – wie von Playdek gewohnt – ohnehin hervorragend und lässt (außer den wie immer nicht vorhandenen Singleplayer-Stats) keine Wünsche offen.
  • San Juan: 8,5 (8/9)
    San Juan
    Die Kartenspiel-Adaption von Puerto Rico ist ein grundsolides Spiel: Güter produzieren und verschiffen, Gebäude  bauen, Punkte sammeln – so einfach ist das. Das Rollenauswahl-Spielprinzip hat zudem zuletzt in Form von Race For The Galaxy wieder einmal zahlreiche neue Fans gefunden. Die App-Umsetzung ist sehr gut gelungen und bringt –  gerade gegenüber dem „großen Bruder“ Puerto Rico – den nötigen grafischen Feinschliff sowie beinahe überbordende Einsteigerfreundlichkeit mit. Einziger Schwachpunkt: Die Kartenhand muss angetippt werden, um die Karten betrachten zu können, was auf Dauer doch ein wenig umständlich wird. Das sollte aber keinen potenziell Interessierten davon abhalten, sich diese App sofort zuzulegen. Vielmehr dürfte es interessant sein, ob es in den kommenden Tagen eine Preisreduzierung im Rahmen des großen Ravensburger-Digital-Sales geben wird. Also vielleicht doch noch ein Weilchen warten…
  • Shifts: 7,5 (7/8)
    Zu Shifts existiert wie zu Battle Of The Bulge ebenfalls keine Brettspiel-Vorlage, es könnte aber ohne Weiteres eine geben. Das Spiel läuft ab wie ein abstrahiertes (bzw. noch abstrakteres) FTL: Jede Runde sind von der Fünfermannschaft eines Raumschiffes drei Schichten (daher der Name) zu besetzen, in denen gearbeitet wird. Jedes Teammitglied kann dabei eine bestimmte Art Krise (wie Hüllenbruch, Roboter-Fehler, Tankleck etc.) bewältigen. Es gilt also die richtigen drei Schicht-Arbeiter auszuwählen, wobei diese auch nicht zu oft hintereinander eingesetzt werden können, da sie sonst ermüden und nicht mehr effizient arbeiten können. Darüber hinaus aktivieren die übrigen zwei freien Teammitglieder zusätzlich jeweils eigene Spezialfähigkeiten (wie einen weitreichenden Planetenscanner, eine extra große Tankfüllung, schnellere Fortbewegung etc.). Wozu das Ganze? Es gilt, die Galaxie zu erforschen und vier bewohnbare Planeten zu finden, um so den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sichern. Und das alles, bevor das Schiff in die Brüche geht oder alle „Archen“ an Bord verloren sind. Wenn das mal keine wichtige Aufgabe ist. Leider ist die Erfüllung oftmals abhängig vom Zufall. Manchmal will man eben einfach nicht den richtigen Planeten finden…
    Shifts
    Auf technischer Seite ist die Debüt-App von Threadbare Games bereits ein erstes Aushängeschild für die aufstrebende Spieleschmiede, die bereits angekündigt hat, in Zukunft weitere Brettspiel-artige Apps entwickeln zu wollen. Wir dürfen also glücklicherweise einen weiteren Entwickler ernsthafter iOS-Spiele zwischen all den Casual-Free-To-Play-Sonstwas-Runnern willkommen heißen.
  • Spectromancer: 8 (8/8)
    Magic-Erfinder Richard Garfield hat sich in Form von Spectromancer bereits vor einer ganzen Weile an ein rein digitales Kartenspiel gewagt. Glücklicherweise ist der Trading-Aspekt bei Spectromancer gar nicht vorhanden. Hier geht es vielmehr um das taktische Ausnutzen der gegebenen Möglichkeiten in jeder Runde, auch wenn nach wie vor asymmetrische Voraussetzungen bei den Spielern bestehen (es müssen jedoch keine einzelnen Karten nachgekauft werden). Von Magic übriggeblieben ist das linienbasierte Kampfsystem, das sich jüngst und auch in Zukunft dank Stoneblades SolForge größer werdender Beliebtheit erfreuen dürfte, sowie die nett umgesetzte Fantasy-Thematik. Zudem bietet das Spiel neben einzelnen, beliebig konfigurierbaren, Partien zahlreiche weitere Modi: In der League Of Heroes darf sich in einer Liga – inklusive Auf- und Abstieg – mit anderen Spectromancern gemessen werden, die Kampagne hangelt sich von Duell zu Duell durch eine klassische Fantasy-Story und die Draft-Tournaments sind kurze und knackige Turniere, bei denen zu Beginn jeder Spieler sein Deck „draftet“, d.h. reihum wird eine Karte aus einem Stapel gewählt und dann weitergereicht. Spectromancer ist sicher keine Revolution des Genres, aber ein guter Vertreter ohne große Schwächen mit einer etwas altbackenen, aber ansonsten einwandfreien App-Umsetzung.
  • Stone Age: 8,5 (8/9)
    Stone Age
    Campfire Games sind ein weiterer Neuling im Bereich der iOS-Brettspiel-Umsetzungen und haben mit Stone Age für das iPhone gleich eine echte Hausnummer abgeliefert. Selten wurde ein Interface so perfekt abstrahiert und für den kleinen Bildschirm heruntergebrochen wie bei der Umsetzung des beliebten Worker-Placement-Spiels. Übrigens soll die App in Kürze universal werden, d.h. auch auf das iPad optimiert sein, und dann etwas mehr kosten. Wen Stone Age bzw. Euro-Games im Allgemeinen interessieren, der sollte also schnellstmöglich zuschlagen. Große Kritikpunkte sucht man hier vergebens.
  • Ticket To Ride: 9 (8/10)
    Wer anfängt, sich für Brettspiele zu interessieren, der wird unweigerlich in Kontakt mit Ticket To Ride – im Deutschen: Zug um Zug – kommen. Und das nicht zu unrecht. Kaum ein Spiel eignet sich schließlich besser für den Einstieg ins ernsthafte Spielen fernab von Monopoly und Co. Selbst Siedler von Catan mit seinem doch sehr freien Ablauf und anfangs einer eventuell überfordernden Vielfalt der möglichen Strategien dürfte mittlerweil e durch das deutlich zielgerichtetere Züge-Platzierungsspiel abgelöst worden sein. Die offizielle App gibt es in diversen Varianten (iPad, iPhone, jeweils Standard oder „Europe“), wobei es jeweils auch noch Expansions im In-App-Store zu erwerben gibt, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Sie funktionieren perfekt. Die digitale Umsetzung ist mindestens genauso einsteigerfreundlich und spaßig wie die Vorlage, die KI spielt größtenteils durchaus fordernd und auch Multiplayer-Optionen sind dank Days Of Wonders Online-Portal zuhauf vorhanden. Also: Kaufen (oder auf den nächsten Sale warten)!
  • Web Of Power: 7,5 (8/7)
    Michael Schacht kann auch anders: Im Gegensatz zum größtenteils glücksbasierten und sehr einfachen Gold! hat man es in diesem Fall mit einem äußerst strategischen Spiel zu tun, das beinahe schon als „Brain-Burner“ bezeichnet werden darf. Abwechselnd werden von außen nach innen Karten aus einem Gitter genommen, die jeweils verschiedene Symbole tragen und zu verschiedenen Regionen gehören. Zudem dürfen Karten gewissermaßen auch „reserviert“ werden, um es dem Gegner zu erschweren, diese in Zukunft zu bekommen. Am Ende gewinnt dann – quasi Knizia-like – derjenige, der in mehr Bereichen, d.h. bei mehr Symbolen, mehr Punkte erzielt hat. Das Ganze entwickelt sich schnell zu einer sehr grübelintensiven Angelegenheit, was jedoch absolut nichts Schlechtes bedeuten muss. Natürlich ist das Spiel etwas „trocken“ und hat im Grunde überhaupt keinen wirklichen thematischen Hintergrund, aber Freunde von anspruchsvolleren Spielen sollten einen Blick riskieren. Die App stammt übrigens wieder mal von den immersoliden Skotos.
  • Zulus On The Ramparts: 8 (9/7)
    Ein weiteres Solitaire-Spiel der Macher von Levee En Masse. Diesmal darf im historischen Rahmen der Schlacht von Rorke’s Drift unter britischer Flagge gegen anrückende Zulus gekämpft werden. Dabei lassen sich einige Gemeinsamkeiten mit dem weiter oben vorgestellten Titel um die Französische Revolution feststellen: Auch die Zulus rücken zufällig aus vier Richtungen an und auch hier muss das Zentrum der Karte mit Hilfe von Würfel-Kämpfen verteidigt werden. Der – durchaus eklatante – Unterschied liegt in den Karten, die der Spieler hier auf der Hand hat. Diese repräsentieren die Helden der Schlacht, die jeweils zwei Spezialfähigkeiten haben und für diverseste Aktionen eingesetzt werden dürfen. Neben den Befehlskarten (in der Regel Gewehrsalven unterschiedlicher Reichweite) kommt durch diese Heldenkarten einiges mehr an Tiefe ins Spiel. Das sogenannte „Hand-Management“ wird zu einem entscheidenden Faktor: Opfere ich meinen Helden und löse dadurch eine mächtige Spezialfähigkeit aus oder nutze ich ihn, um eine weitere Aktion zu erhalten, mit der ich dann möglicherweise ebenfalls die Zulus zurückdrängen oder gar vernichten kann? Eine Standardfrage während des Spielens. Somit ist Zulus On The Ramparts dem französischen Bruder in Sachen Spielmechanik durchaus überlegen.
    Zulus On The Ramparts
    Die App selbst hat jedoch mit einigen Wehwehchen zu kämpfen. So scheint das Spiel in der nicht-HD-Fassung bislang auf älteren iPhones und iPods gar nicht laufen zu wollen, während man auch auf dem iPad mit einigen Bugs und fehlenden Regeln zu kämpfen hat. Allerdings ist der Titel auch erst seit kurzem im Store und Victory Point Games haben bereits hoffentlich bald kommende Updates angekündigt. Dennoch ist „Zulus“ schon jetzt eine Empfehlung wert – gegenüber „Levee“ auch für geschichtlich weniger interessierte Spieler.

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