Nostalgie als Design-Ansatz

ResiRemake

Immer wieder sprießen Remakes großer Titel längst vergangener Zeiten aus dem Boden und versuchen, ehemalige Fans anhand nostalgischer Gefühle zu reaktivieren. Noch einen Schritt weiter geht die Strömung der Retro-Games, die gewissermaßen auf eine „Schein-Nostalgie“ bei der breiten Masse setzt, indem sie durch altmodische audiovisuelle und spielerische Elemente den Charme einer ganzen Ära früherer Tage heraufbeschwört. Angesichts des Erfolges solcher Ansätze stellt sich die Frage: War früher wirklich alles besser? Es folgen einige Anmerkungen dazu, was von nostalgischen Gefühlen im Allgemeinen und deren bewusster Ausnutzung aus Design-Sicht zu halten ist.

Das nostalgische Vorurteil verspricht, dass sich durch die erneute Interaktion mit einem Objekt, das in der Vergangenheit positive Empfindungen hervorrufen konnte, diese Gefühle erneut einstellen. Nicht selten ist in der Praxis genau das Gegenteil der Fall und die „Magie“ der Erinnerung angesichts mittlerweile – durch allgemeine technologische und philosophische Fortschritte sowie die gewachsene Weisheit des Konsumenten – offensichtlich gewordener Schwächen schnell verflogen. Dennoch ist der Wille, das Objekt nach wie vor zu mögen, vergleichsweise groß. Das vergangene Urteil soll als „schon immer korrekt“ bestätigt, der Zauber der Kindheit um jeden Preis zurückgeholt werden.

Aus Game-Design-Sicht kann die Auslösung solcher Empfindungen bei der Spielerschaft lediglich dazu dienen, die Wahrnehmung des Spiels als das, was es tatsächlich ist, zu vernebeln. Nostalgie blendet mit seiner irrationalen Strahlkraft und lässt Spieler über Design-Entscheidungen hinwegsehen, die sich mittlerweile als klare Schwächen und Fehler herausgestellt haben. Spieler werden hier also mit dem Versprechen der Erweckung vergangener Hochgefühle gelockt und so dazu gebracht, mit etwas Minderwertigerem zu interagieren, als sie es bei klarem Verstand zu tun bereit wären. Aus finanzieller Sicht möglicherweise nützlich, lässt sich der Ansatz künstlerisch bestenfalls als fragwürdig bezeichnen.

Umgekehrt ist es aus Spielersicht natürlich ratsam, da schlicht am gesündesten, bei jedem Titel stets nur das zu beurteilen, was er konkret spielerisch bietet, und sich von einer verzerrten Wahrnehmung und jeglichen „imaginären Boni“ freizumachen. Denn in Wahrheit gilt doch: Ist ein Spiel an sich von wert, dann braucht es den psychologischen Trick der Nostalgie ganz sicher nicht.

 

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