Ludomedia #29

Dezember 2, 2016

Ludomedia

Lesens-, hörens- und sehenswerte Fundstücke aus der Welt der Spiele.


Curtiss Murphy: What Makes Great Games Great?

  • „Stick to your core. […] Less is, in fact, more.“

Daniel Cook: Autumn of Indie Game Markets

  • „Games are looking nicer than ever, don’t they? That quality bar keeps creeping higher. With so much work to do, your team is a bit larger. And with so many mouths to feed, it feels riskier to lose everything experimenting on wacky new game mechanics.“

Josh Bycer: Feeling the Frustration of “Fun Pain” Game Design

  • „You need to decide where you want your money to come from: Short-term fun pain/heavily monetized elements, or a long-term plan with a dedicated fan-base.“

Maria Garda & Paweł Grabarczyk: Is Every Indie Game Independent?

  • „We claim that, despite the etymology, the term indie is not just an abbreviation of the term independent.“

Wolfgang Walk: Der Mythos vom „story-driven game“

  • „Der Begriff ’story-driven game‘ meint entweder irgendeinen hanebüchenen Marketing-Unfug – oder er bedeutet etwas, das per definitionem eine der zentralen Eigenschaften eines Games beschädigt und versklavt. […] Man kann ein Game mit der Story genauso gut antreiben wie einen Automotor, indem man an den Rädern dreht!“

 


Systemisches Feedback in kompetitiven Spielen

November 1, 2016

atlasreactorvictory

Ohne Zweifel ist Feedback von zentraler Bedeutung für Spiele jeglicher Art. Es ist ein Kernelement der Interaktion zwischen Spieler und Spielsystem. Die Aktionen des Spielers werden durch das Regelwerk, gegebenenfalls unter Einwirkung eines Gegners, verarbeitet, woraufhin die Reaktion des Systems folgt. Anhand der Informationen, die dem Spieler durch diese Reaktion zukommen, kann dieser seine Vorstellung der spielerischen Zusammenhänge verfeinern und so seine Fähigkeiten steigern. Das Feedback schließt also den Gameplay-Zyklus. Insbesondere in kompetitiven beziehungsweise skillbasierten Titeln entsteht durch dieses iterative Lernen der langfristige Spielspaß, der diese Spiele auszeichnet.

Loop

Der Gameplay-Zyklus.

Audiovisuelles Feedback, das „Spielgefühl“, vermittelt dabei eher Lektionen im kleineren Rahmen. Es bezieht sich auf unmittelbare Faktoren wie Reflexe, die Steuerung und das ganz grundlegende Regelverständnis. Beim systemischen Feedback hingegen steht das langfristige Erlernen von Gameplay-Zusammenhängen im Mittelpunkt. Es ist direkt mit dem Ausgang einer Partie in Form von Sieg oder Niederlage gekoppelt. Alle Aktionen werden anhand des Spielziels bewertet und erhalten somit eine spezifische qualitative Bedeutung.

Je näher eine Aktion den Spieler an den Sieg heranführt, desto besser ist sie. Nur durch die Verarbeitung systemischen Feedbacks ist der Spieler in der Lage, seine Position und Bewegungsrichtung auf der „Spielziel-Achse“ einzuschätzen. Im Folgenden sollen nötige Voraussetzungen für effizientes systemisches Feedback aufgezeigt werden – sowohl im Spielverlauf selbst als auch in einer etwaigen übergeordneten „Metagame“-Struktur.

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Ludomedia #28

Oktober 11, 2016

Ludomedia

Lesens-, hörens- und sehenswerte Fundstücke aus der Welt der Spiele.


Brandon Rym DeCoster & Scott Rubin: The Grind

  • „You only get one life to live and you’re going to spend it pressing A – attack, attack, attack – just so you can see the next video in a Final Fantasy game that you could have watched on YouTube. […] Think of your whole life when you’re doing this.“

Jordan Georgiev: Going Too Big – Simplicity in Indie Games

  • „The more time you spend creating a fluid, satisfying and replayable core experience – the better game you will have. […] So we should spend our time designing the elements our players will spend the most time playing – the main mechanics and the main loops of the game.“

Keith Burgun: Minimize calculation (in games worth playing)

  • „The point is, you do need some degree of determinism in games; some “causal line” that goes from the player’s input and stretches out into the system to some extent. But by using input randomness smartly and carefully selecting the position of the information horizon, you can (and should) reduce the calculate-able (solvable) parts of your game down to a reasonable level.“

Maciej Biedrzycki: Why is selling good games so hard?

  • „Think about No Man’s Sky. They sold millions of copies even though the game was universally criticized by both gamers and the press once it was out. So, if it’s financially better to overpromise and under-deliver, one has to wonder where our industry is heading.“

Richard Garfield: A Game Player’s Manifesto

  • „I believe it is time to send a message to game designers and publishers. As a game player I will not play or promote games that I believe are subsidizing free or inexpensive play with exploitation of addictive players. As a game designer I will no longer work with publishers that are trying to make my designs into skinnerware.“

Jenseits des Tellerrands

Evan Puschak: Breaking Bad – An Episode Of Reactions

  • „What makes drama work, what makes it interesting, isn’t climactic action scenes, or the bombastic declaration of colorful characters, or even big ideas. It’s the succession of reactions that cascade off of every choice.“

Go-Spieler kämpfen mit der Kalkulation

Oktober 10, 2016

In einem Reddit-Forum zu Go (auch bekannt als Baduk) entbrannte vor Kurzem eine sehr interessante Diskussion. Ein passionierter Spieler des abstrakten Klassikers beschrieb das „Phänomen“, dass ihm die Fleißarbeit des Vorausdenkens unzähliger Züge ab der Mitte des Spiels immer mühseliger wird. Überraschend ist das nicht, schließlich handelt es sich um ein Spiel mit perfekter Information.

Sogleich waren Mitglieder des Subreddits zur Stelle mit allerlei Tipps, wie man sich eben doch zum lästigen Durchrechnen der Zugoptionen zwingen könne. Für Außenstehende ergibt dies ein recht skurriles Bild. Warum sollte man diesen Selbstzwang denn überhaupt wollen? Natürlich ist es zunächst immer auch Arbeit, ein Spiel zu erlernen, aber in diesem Fall ging es um Fortgeschrittene bis hin zu Veteranen.

Auf die Idee, dass es sich bei etwas, zu dem man sich immer und immer wieder, beinahe selbstquälerisch, durchringen muss, um ein fundamentales Problem im Spieldesign handeln könnte, kam kaum einer der Diskutanten. Der User Toad_Racer (übrigens der aktuell wohl beste Auro-Spieler der Welt) brachte es mit seinem Beitrag dann aber doch noch sehr treffend auf den Punkt:

How about embracing the aversion? The goal should not be to play a particular game well at all costs, but rather to enrich your life through engaging gameplay. It seems to me that analysis through methodical tree traversal isn’t a very efficient or engaging way to extract value from an interactive system. Instead, I think games should push their players towards intuitively evaluating gamestates by preventing them from looking ahead too far with a designed „information horizon“.


Ludomedia #27

September 21, 2016

Ludomedia

Lesens-, hörens- und sehenswerte Fundstücke aus der Welt der Spiele.


Brandon Rym DeCoster & Scott Rubin: Atari Game Design

  • „If you design a game with those constraints, it’s going to be a very simple game, a very focused game, a very elegant game. If it’s a good game, then it’s a pure design, it’s a good design.“

Chris Crawford: A 30 Year Game

  • „There’s a game that’s been running around for thousands of years. It’s called religion. And the game designers are called priests.“

Elliot George: Systemic Information in Games

  • „Games are all about mental models. As with any system that we are trying to understand, we make and test predictions based on our models, these predictions lead us to success or failure, and we update our models accordingly.“

John Harris: The Infinite Dungeon

  • „Try to avoid grind. […] There are no interesting gameplay decisions there. It’s just increasing numbers mindlessly. […] Most things that call themselves role-playing games are 90% grind. Please do anything you can to eliminate grind. The human race will thank you.“

Phil Duncan: Game Design Deep Dive – Building truly cooperative play in Overcooked

  • „With Overcooked we wanted to make a game where cooperation was a central pillar, a game which was much more focused on how a team works together rather than simply adding more players to a single player experience.“

No Man’s Sky: Eine Geschichte falscher Blickwinkel

August 22, 2016

NoMansSkyHeader

Der Hype um No Man’s Sky gehört sicher zu den größten in der Geschichte der Videospiele. Der seit dessen Release tobende Sturm der Ernüchterung steht dem allerdings in nichts nach. Auf den Titel, der in den Köpfen vieler Spieler das großartigste Stück interaktive Unterhaltung aller Zeiten werden sollte, hageln bestenfalls leicht überdurchschnittliche, häufig vernichtende, in jedem Fall aber zutiefst enttäuschte Kritiken ein. Wie so oft waren auch in diesem Fall die in unermessliche Höhen gewachsenen Erwartungen nicht zu erfüllen. Verantwortlich für die Misere sind jedoch nicht nur die zahlreichen spektakulären und doch vagen Ankündigungen seitens Hello Games innerhalb der letzten Jahre. Auch die Bereitschaft der Spielergemeinde, die oberflächlichen Aussagen des Entwicklers immer wieder wohlwollend zu interpretieren, steht Beispielhaft für eine grundlegend fehlerhafte Betrachtungsweise des Mediums.

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Atlas Reactor: Neue Taktik-MOBA-Hoffnung!

August 11, 2016

Es war tragisch als die Entwicklung von Aerena, einem der Spiele des Jahres 2014, eingestellt wurde. Mittlerweile hat Cliffhanger Games die Server endgültig abgeschaltet. Grundsätzlich ergibt die Idee eines rundenbasierten MOBAs mit allerlei Helden und Spezialfähigkeiten zumindest auf dem Papier jedoch nach wie vor Sinn. Schließlich kann, im Gegensatz zu den großen Echtzeit-Vorbildern (LoL, DotA), jeglicher Twitch-Skill außen vor gelassen und der Fokus ganz auf die Entscheidungen der Spieler gelegt werden.

AtlasReactor

Im weiteren Verlauf dieses Jahres schickt sich nun ein neuer Titel an, den verwaisten Thron der Taktik-MOBAs zu erobern: Atlas Reactor. Im Gegensatz zu Aerena treten hier zwei Viererteams gegeneinander an und jeder Spieler übernimmt nur einen Charakter. Durch stets simultanes Ziehen aller Beteiligten soll die „Downtime“, in der auf andere Spieler gewartet werden muss, minimiert werden.

Auf den ersten Blick sind zwei Warnsignale auszumachen, warum dieses Unterfangen scheitern könnte: Erstens stecken hinter dem Titel die MMO-Riesen von Trion (Rift, Archeage), die bei kritischen Spielern vor allem für ihre fragwürdigen Geschäftsmodelle (Stichwort „Pay To Win“) berüchtigt sind. Allerdings kann hierbei seit einigen Wochen vollständige Entwarnung gegeben werden, denn das vergleichsweise kleine Team hinter Atlas Reactor kündigte an, ähnlich wie Blizzards Overwatch auf ein „Buy-to-play“-Modell zu setzen. Somit sollten jegliche Free-to-play-Querelen aus dem Weg geräumt sein.

Das zweite potenzielle Problem liegt im Gameplay selbst begraben – nämlich in den erwähnten gleichzeitigen Zügen aller Spieler. Dieses Prinzip führt zwangsläufig Zufall, Ratespiele und Chaos ins System ein, worunter die strategische Tiefe leidet. Mit einem recht cleveren Phasen-System, das in obigem Video vorgestellt wird, umgeht das Spiel jedoch zumindest die offensichtlichsten Probleme diesbezüglich.

Aktuell befindet sich Atlas Reactor in einer „Early-Access“-Beta, in die sich jederzeit eingekauft werden kann. In den nächsten Monaten soll dann der offizielle Launch folgen. Reinschauen lohnt sich schon jetzt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Spielerzahlen sich besser entwickeln als im Falle von Aerena. Genügend Marketing-Budget dürfte diesmal vorhanden sein.