Warum guckst du?

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Das Hobby, anderen beim Spielen zuzuschauen, erfreut sich offenbar größter Beliebtheit. Gaming-Kanäle auf YouTube erreichen täglich Millionen von Abonnenten. Auf Twitch erreichen die beliebtesten Titel zu jeder Tages- und Nachtzeit zehntausende Live-Zuschauer. Gerade angesichts der Masse an Neuerscheinungen und der Bedeutung frühzeitiger Bekanntheit für Crowdfunding-Geschäftsmodelle ist die Thematik von immer massiverer Bedeutung, gerade auch für Entwickler und Designer.

Deshalb: Im Folgenden meine Sicht auf die 5  am häufigsten auftretenden Typen von Videospiel-Zuschauern!*

1. Der Film-Fan

Er hat verstanden, dass viele moderne Videospiele in all ihrer Storylastingkeit ganz und gar nicht aufgrund ihres Gameplays interessant sind. Er schaut sich deshalb kostenlos „Let’s Plays“ von Titeln wie Heavy Rain oder Uncharted an, die dadurch kaum an Wert gegenüber dem tatsächlichen Spielen verlieren – gegebenfalls sogar gewinnen, wenn die Interaktivität sich hauptsächlich in trivialer Fleißarbeit äußerst. Es stellt sich jedoch auch die Frage, ob diese Herangehensweise im Game-Design auf lange Sicht nicht auf das gänzlich falsche Medium abzielt. Interessanterweise verschwinden auf diese Zielgruppe ausgelegte Titel in der Regel schon wenige Tage nach Release wieder aus den vorderen Plätzen der Twitch-Zuschauermessungen. Langlebig geht jedenfalls anders.

2. Der Informierte

Er möchte bloß wissen, ob ein Spiel etwas für ihn persönlich wäre. Es geht ihm grundsätzlich darum, gegebenfalls selbst mit den Spielsystemen zu interagieren. Da jedoch stark zusammengefasste Reviews häufig keinen kohärenten Eindruck vom vollständigen Gameplay-Zyklus verschaffen können, schaut er sich ungekürzte Ersteindrücke, beispielsweise im Rahmen von TotalBiscuits „WTF is…?“ oder der „Quick-Look“-Reihe von Giant Bomb, oder auch einzelne Episoden von „Let’s Plays“ an.

3. Der Faszinierte

Er findet es beeindruckend, auf welchem Niveau der Let’s-Player beziehungsweise Streamer bestimmte, in der Regel natürlich sehr gameplay- und skillbetonte, Titel spielen kann, hat selbst jedoch keinerlei Ambitionen, dem nachzueifern. NorthernLions Reihe zu The Binding of Isaac bringt es mittlerweile auf über 900 erfolgreiche Episoden. Auch Videos zu digitalen Spielzeugen wie Minecraft, die enorme Geduld und Muße erfordern, um Großes zu vollbringen, werden von dieser Zielgruppe konsumiert.

4. Der Kompetitive

Er ist selbst ambitionierter Spieler. Er möchte durch das genaue Beobachten von sehr guten Spielern seine eigenen Kompetenzen erweitern. Twitch wird in Sachen Zuschauerzahlen seit Monaten beinahe ausschließlich von stark E-Sport-relevanten Titeln wie League of Legends, Dota 2, Counter-Strike: Global Offensive, Hearthstone und Starcraft 2 dominiert. Insbesondere Live-Übertragungen großer Events oder private Streams bekannter E-Sport-Persönlichkeiten erreichen regelmäßig Top-Zahlen.

5. Der „Follower“

Ihm sind die spezifischen Spiele vollkommen egal. Er schaut sich schlicht jeglichen Inhalt seines Lieblings-YouTubers oder -Streamers an. Twitch-Persönlichkeiten wie Kripparrian oder Trump haben Zuschauerzahlen jenseits der 10000 sicher, egal was sie spielen. YouTubeer PewDiePie machte jüngst mit Millioneneinnahmen Schlagzeilen, auch wenn es ernsthaft Spielinteressierte wohl kaum über seine nervtötende Begrüßung in jedem einzelnen seiner Videos hinaus schaffen werden.

Und, werter Leser, welche Zielgruppe fehlt? In welche Kategorie(n) gehörst du? Welche sollten vielleicht besser gar nicht existieren?

* "Der Zuschauer" bezeichnet hier sowohl Weibchen als auch Männchen. ;)

Eine Antwort zu Warum guckst du?

  1. Youkichirou sagt:

    Es fehlt definitiv der „Ich habe Angst es selbst zu spielen, also schaue ich lieber nur zu“-Typ. Obwohl es am Ende wohl auch unter so etwas wie den ersten Typus fällt. Die meisten Horror-Games sind ja nichts anderes als interaktive Horrorfilme. Meist noch mit irgendwelchen „Rätseln.“ („Rätsel“, da es keine echten Rätsel sind, da wir bekanntlich ja wissen, dass man für ein echtes Rätsel alle Puzzleteile kennen sollte, nur nicht, wie man sie zusammenfügen muss. In Horrorspielen ist es jedoch mehr ein Herumlaufen und Zufällig entdecken oder ein raten. Schwierigkeit durch Geduld also. Oder so.)

    Vielleicht gibt es auch noch den Typus „Der Arme“. Er kann sich kein Spiel leisten und muss sich daher alles auf YouTube und Co als LPs anschauen. D; Okay, doch wohl eher selten, was?😀

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